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Barrierefreie Flugzeug-Toiletten

(von Annemarie Grillenberger)

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine länger dauernde Flugreise für Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen – und hier in besonders hohem Maße für solche mit Mobilitätseinschränkungen – mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, wenn es um die Benützung der Toiletten im Flugzeug geht.
Aber es ist „Land in Sicht“, denn im Oktober 2016 gab es vom bmvit, dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, eine TAKE OFF* Ausschreibung, in welcher das Projekt Lavatory4all (Toiletten für alle) einen Förderzuschlag bekommen hat. Das Projekt startete im September 2017 und läuft bis August 2019 (24 Monate).
(* Das Programm TAKE OFF ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und wird in dessen Auftrag durch die Forschungsförderungsgesellschaft mbH abgewickelt.)

Die Projektpartner kommen aus Bereichen, die einerseits mit Verkehr, andererseits mit Barrierefreiheit befasst sind:

– netwiss OG (Projektkoordinatorin)
– FH JOANNEUM Graz, Institut Luftfahrt
– TU Wien, Institut für Verkehrswissenschaften
– Rodlauer Consulting GmbH (berät, unterstützt und begleitet Firmen, Betriebe, Institutionen, Städte und   Gemeinden bei der Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit und Inklusion und deren Umsetzung)
– FACC AG (entwickelt, entwirft und produziert Flugzeuginnenausstattung und Strukturbauteile in   Leichtbauweise für internationale Flugzeugproduzenten)
– TU Wien, Institut für Visual Computing & Human-Centered Technology
– Raltec – Research Group for Assisted Living Technologies (gemeinnützige, außeruniversitäre     Forschungsgruppe für assistive Technologien für die ältere Bevölkerung und für Menschen mit   Beeinträchtigungen)

Barrierefreie Flugzeug-Toiletten müssen den unterschiedlichsten Anforderungen von ALLEN Personen ungeachtet einer Behinderung entsprechen, doch das ist eine Herausforderung, die bis dato nicht gelöst ist.
In Abhängigkeit von der Art der Einschränkung gibt es an die Ausführung von Toiletten unterschiedlichste und oft auch widersprüchliche Anforderungen, die jedoch häufig den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Airlines und den technischen Möglichkeiten im Flugzeugbau entgegenstehen (bestmögliche Platzausnutzung, Sicherheit der geforderten Materialien, geringstmögliches Gewicht …)

Am 12. Juni 2018 fand im Zuge dieses Projektes ein Ideen-Workshop statt, an dem mindestens eine Person der jeweiligen Projektpartner, außerdem Menschen mit Beeinträchtigungen (Rollstuhl, Schädel-Hirn-Trauma …) teilnahmen. Aufbauend auf die Erkenntnisse von Befragungen, ExpertInnengesprächen und eben Workshops wie diesem wird eine barrierefreie Toilette konzipiert, ein realitätsnahes Modell aus Holz angefertigt und dieses in mehreren Feedback-Schleifen mit betroffenen Personen, Airlines und der Industrie evaluiert.

Interessant an diesem Workshop war, dass sich die Vorstellungen der TeilnehmerInnen, wie eine barrierefreie Toilette in einem Flugzeug aussehen könnte bzw. sollte, so ziemlich deckten, obwohl es teilweise auch sehr phantasievolle Ideen gab. Aber ich glaube, dass genau das das Ziel eines Workshops ist: aus hochfliegenden Träumen etwas zu machen, das leistbar ist und dennoch den Zweck der Barrierefreiheit erfüllt.

„Ergebnis und Mehrwert von Lavatory4All ist die Machbarkeitsüberprüfung und Regelerstellung für eine Flugzeugtoilette, die möglichst allen Anforderungen (mobilitäts-)behinderter Personen gerecht wird und auch den strengen Rahmenbedingungen aus Sicht der Luftfahrt (Sicherheit, Gewicht, Zuverlässigkeit, Hygiene, Ausfallswahrscheinlichkeit, Wartung, Reinigung) entspricht. Ziel ist, ein System zu entwickeln, das universell sowohl im Kurz- als auch im Langstreckenverkehr zum Einsatz kommen kann.“ (http:/Lavatory4All.netwiss.at)

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