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11. Kongress – 11. bis 13. Mai 2016 – Wien, Österreich

ESCIF-Congress 2016 in Wien

“Successful Integration after SCI”
(Ing. Hannes Wiesinger mit Dr. Gabriele Kirchmair)

Der ESCIF-Kongress 2016 fand heuer zum 2. Mal nach 2009 in der Zeit vom 11. bis zum 13. Mai 2016 in Wien statt.

Thema des Kongresses war:
“Successful Integration after SCI” – Erfolgreiche Integration nach Rückenmarksverletzung

Vor rund 2 Jahren haben wir vom VQÖ dem Vorstand der ESCIF – European Spinal Cord Injury Federation (Europäischen Paraplegiker Vereinigung) angeboten, nochmals einen Jahreskongress in Wien zu organisieren. Nach einigem hin und her bei der Abstimmung der Termine hat uns dann der ESCIF-Vorstand ersucht den Kongress für das Jahr 2016 zu übernehmen.

Die Organisation des Kongresses begann bereits mit den ersten Vorgesprächen am Ende des Jahreskongresses 2015 in Brünn. Darauf folgte ein Meeting mit dem ESCIF-Vorstand im September Rehab-Zentrum in Nottwil in der Schweiz, welches wir im Rahmen der Kulturtage besuchten und der ESCIF-Vorstand zur gleichen Zeit eine Vorstandssitzung hatte. Bei diesem Meeting wurde das Grundgerüst für die Veranstaltung und das Konzept für das Kongressprogramm fixiert. Da der Wunschtermin für den Jahreskongress Wien mit dem Monat Mai in der Hochsaison lag, musste ich die Entscheidungen vorantreiben, um rechtzeitig die Vorreservierungen für die Hotelzimmer und den Veranstaltungsbereich durchführen zu können.

Als Location für den Kongress wurde, so wie 2009, das Hotel Kolping Wien-Zentral in der Gumpendorferstraße 39 ausgewählt. Mit der Annahme wieder 60 – 70 Kongress-teilnehmern bzw. Delegierten und davon 30 – 35 Rollstuhlfahrer unterzubringen, wurde noch im Herbst die entsprechende Anzahl der Zimmer vorreserviert.

Die Organisation und die Finanzierung des Kongresses durch den VQÖ umfasste die Suche der Sponsoren, Buchung der Location für den Kongress, die Unterbringung und Verpflegung für die Kongressteilnehmer bis hin zum Shuttle für die Gäste vom und zum Flughafen sowie die Gestaltung des Rahmenprogramms etc..

Nach nunmehr fast einem Jahr Vorbereitung konnte nun der Kongress und die damit verbundene Delegiertenversammlung der ESCIF am Mittwoch, den 11. Mai 2016 in Wien eröffnet werden.

68 Delegierte bzw. Kongressteilnehmer davon 32 Rollstuhlfahrer aus 17 europäischen Ländern (Albanien, Dänemark, Finnland, Kroatien, Litauen, Niederlande, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechische Republik, Türkei und Zypern) sind nach Wien gekommen, um an diesem Kongress teilzunehmen. Die Delegierten sind großteils Vorstandsmitglieder in ihren nationalen Verbänden, die dann in weiterer Folge auch für die entsprechende Verbreitung der Erkenntnisse sorgen.

Die Vize-Präsidentin der ESCIF, Gunilla Ahren, der Obmann des VQÖ, Manfred Schweizer und den Bundesbehindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger eröffneten den Kongress. Leider konnten wir dieses Mal die ESCIF-Präsidentin, Jane Horsewell und ihren Mann Andy nicht in Wien willkommen heißen, da Jane gesundheitliche Probleme hat und sie sich deshalb noch in Dänemark im Krankenhaus bzw. auf Reha befindet.

         

Das Eröffnungsreferat hielt anschließend Dr. Erwin Buchinger. Er referierte über die Soziale Inklusion und Integration von Menschen mit Behinderungen in Österreich. Dabei gab er einen kurzen über die Entwicklung in Österreich, aber auch die Zusammenhänge in Europa und berichtete über die Ergebnisse der letzten zehn Jahre in der Anpassung, der Zugänglichkeit, der Ausbildung und dem Arbeitsmarkt.

Das am Abend folgende Get-together Dinner bot dann die erste Möglichkeit des Erfahrungsaustausches unter den Kongressteilnehmern.

Dazu eines der Pausengespräche von Dr. Gabriele Kirchmair mit Vertretern aus Albanien:

Nach dem ersten Vortrag von Dr. Erwin Buchinger am Mittwoch am Abend kam von Vertretern aus Albanien folgende Schilderung ihrer Situation zu Hause:

„Die Situation für Rollstuhlfahrer in Albanien ist sehr schlecht: wir haben keine öffentlichen Verkehrsmittel die für Rollstuhlfahrer benutzbar sind, öffentliche Einrichtungen sind nicht barrierefrei… und wir haben kein Geld.“

Ich dachte kurz nach und dann fiel mir ein, das Ganze ist mir nicht so unbekannt. In der Pause hab ich dann mit den Albaner gesprochen und ihnen erzählt, wie in Österreich die Situation vor 20-30-40 Jahren war:

Ich verunfallte 1979; obwohl es ein Schulunfall war konnte ich nach der Rehabilitation nicht in eine barrierefreie (gab es dieses Wort damals überhaupt schon?) Wohnung ziehen, sondern lebte noch 5 Jahre bei meinen Eltern im ersten Stock! OHNE Lift. Einen Lift hatte ich vom ersten Stock in mein Zimmer, das noch einen halben Stock höher war. Damals gab es einfach nur Treppenaufzüge, die auf einer geraden Stiege fahren konnten.

In Innsbruck gab es keine einzige Gehsteig Abschrägung; ich erinnere mich noch gut an die Protestaktion von Prof. Volker Schönwiese, der alle paar Minuten im Büro des damaligen Bürgermeisters R. Niescher anrief und fragte, wann endlich die Abschrägungen gemacht werden.

Ich hatte das Glück das Gymnasium in dem der Unfall passierte, weiterhin besuchen zu können. Natürlich war das nicht barrierefrei. Meine Mitschülerinnen haben mich herumgetragen. Als der Herr Direktor (seinen Namen möchte ich nicht nennen) von einem Lehrer gefragt wurde, ob man nicht einen Lift einbauen könnte, war die Antwort: „Damit noch mehr Krüppel an unsere Schule kommen?“.

Als ich einmal in der Altstadt stand und auf eine Freundin wartete, schenkte mir eine wildfremde Frau eine Tafel Schokolade. Ich hab sie nicht darum gebeten.

Rollstuhl- WCs gab es in der ganzen Universitätsklinik kein einziges und natürlich auch nicht an der Universität, geschweige denn in einem Lokal oder an sonst einem öffentlichen Ort. Und barrierefreie öffentliche Verkehrsmittel gab es ebenso nicht. Wer erinnert sich nicht an den Bau der U- Bahn in Wien wo an fast allen Stationen KEINE Aufzüge eingebaut wurden? Erst nach vielen Protestaktionen mussten diese teuer nachgerüstet werden.

Als ich das Studium abgeschlossen hatte und an der Klinik fragte ob ich die Turnusausbildung machen könnte, bekam ich die Antwort vom damaligen Ärztlichen Direktor (diesen Namen möchte ich auch nicht nennen): ja, schon, aber zahlen tun wir ihnen nichts.

Dass wir jetzt in einem Wohlstand leben und viele Menschen ein anderes Bild von Behinderung haben, viele öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel barrierefrei sind haben wir nicht zuletzt uns selbst zu verdanken. Viele von uns sind oder waren trotz und mit der Behinderung berufstätig und können Dank der Barrierefreiheit am öffentlichen Leben teilnehmen.

In Albanien sind Menschen mit Behinderung in allen Belangen diskriminiert. Aber die Initiative muss von den Betroffenen selbst ausgehen. Die Teilnahme an diesem Kongress war schon ein guter Schritt.

 

Der Donnerstag, 12. Mai 2016, war am Vormittag ausgefüllt mit mehreren Referaten zum Kongressthema: Erfolgreiche Integration nach SCI (Spinal cord injury) – Bereich Lebensqualität

Anschließend stand das Thema „Die Rolle in der Familie nach SCI“ auf dem Programm.

Zwischen den Vorträgen lockerte Dr. Gabriele Kirchmair die Delegierten immer wieder mit Dehnungsübungen auf

         

Dazu Dr. Gabrieie Kirchmair über Vortrag von Erika Nilsson aus Schweden zum Thema Rolle in der Familie und Querschnittlähmung: SCI (Spinal cord injury) und Elternschaft

Frau Nilsson stellte uns die Hompepage: www.mammapappalam.se vor, die speziell für werdende Eltern mit Querschnittlähmung eingerichtet wurde. Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und seit einem Reitunfall querschnittgelähmt. Als sie das erste Mal schwanger wurde, stellte sie bald fest, dass es wenige Betroffene gibt und auch die Ärzte meist nicht viel über eine Schwangerschaft im Rollstuhl wissen. Aus dem schwedischen Heritage Fond konnte das Geld für das Projekt zur Verfügung gestellt werden und mittlerweile sind zahlreiche Veranstaltungen (gemeinsame Aktivitäten) und Ideen (Hilfsmittel etc.) in Folge entstanden.

Die Seite ist auch in Englisch abrufbar und könnte, falls Interesse besteht, auch auf Deutsch übersetzt werden.

Das Projekt wurde von Betroffenen initiiert, die sich mit ihren Fragen rund um das Thema Eltern werden trotz und mit Behinderung beschäftigten. Es wird auf alle Fragen eingegangen: von der Empfängnis bis zur Geburt und dem Leben als Eltern. Zahlreiche Tipps, Informationen und Kontakte findet man auf den Seiten. Der Austausch mit Betroffenen ist ebenso möglich wie sich einfach Infos zu diesem Thema zu holen.
Frau Nilsson beantwortet auch persönlich Fragen zu diesem Thema, ihre Mail Adresse: Erika@spinalis.se

      

Am Nachmittag erfolgte eine Präsentation der Firma Coloplast, deren großzügige finanzielle Unterstützung die Durchführung des Kongresses erleichterte. Philipp Nieke referierte dann über Informationsmanagement als integrierten Teil des Managementprogramms nach SCI. Seinem Referat folgten Berichte zum Kongressthema Mobilitätshilfen und Hilfsgeräte.

      

Im Anschluss an diese interessanten Referate fand dann die Delegiertenversammlung 2016 statt. Neben dem Bericht der Präsidentin der vom der VizePäsidentin verlesen wurde, dem Rechnungsbericht durch den Kassier Jani Trdina, der Genehmigung der Budgets 2016 und 2017, wurde Zypern nach einer Vorstellung durch Dimitris Lambrianides, dem Präsidenten des zypriotischen Verbandes des Querschnittgelähmten als neues Mitglied bei der ESCIF aufgenommen.

     

Am Abend fand im Hotel auf Einladung des Bürgermeisters der Stadt Wien, Dr. Michael Häupl, das Congress-Dinner statt, bei dem die Stubenmusik Furth für die musikalische Untermalung sorgte.

Am Freitag folgten die Referate zum Thema Soziale und Freizeitaktivitäten. Zu Beginn referierte Dr. Christoph Etzlstorfer sehr anschaulich und spannend über die Fitness der Rollstuhlfahrer im täglichen Leben.

Dieser Referat nehmen wir zum Anlass, dass wir uns in der nächsten RA unter dem Motto „Bewegen, bewegen, bewegen, … mit diesem Thema noch eingehend befassen werden.

         

Dem Referat von Dr. Etzlstorfer folgte ein Vortrag von Edi Scheibl und DI Harald Loidl über das tolle Integrationsprojekt „No limits“ in Ebensee. In diesem Projekt wird vorgelebt was alles möglich ist, trotz der unterschiedlichsten Behinderungen.

Weitere Inputs aus den Niederlanden und aus Slowenien rundeten die Vortragsreihe der Vormittagssitzung ab.

Zu den Vorträgen noch ein Hinweis: Alle Referate des Kongresses können auf der Website der ESCIF in Englisch nachgelesen werden; unter http://www.escif.org/ESCIF,,members_downloads,escif_congress,2016—vienna.htm

Mit dem Mittagessen endete dann offiziell der ESCIF-Congress 2016. Am Nachmittag gab es noch eine Sightseeingtour mit dem Bus nach Schloss Schönbrunn mit einer ausgezeichneten Führung durch die Räume des Schlosses.

Einen wesentlichen Teil des Kongresses bildet natürlich immer der Erfahrungsaustausch aller Kongressteilnehmer untereinander, dem auch heuer wieder entsprechend viel Zeit eingeräumt wurde.

Schon während des Kongresses, aber zwischenzeitlich auch nachher, bekamen wir von den Kongressteilnehmern Feedback zum Kongress. Dabei waren alle einhellig der Meinung, dass der Kongress ein voller Erfolg war und während des gesamten Verlaufs eine besonders gute Stimmung herrschte.

Einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Kongresses haben natürlich all unsere Sponsoren, allen voran die Firma Coloplast, mit ihrer finanziellen Unterstützung beigetragen. So haben wir zur Information der Kongressteilnehmer im Foyer auch einen Info-Corner eingerichtet in dem sich die Sponsoren mit Roll-Ups und Prospekten präsentieren konnten. Weiters wurde allen Kongressteilnehmern eine eigens gestaltete Kongresstasche mit Informations- und Prospektmaterial übergeben.

Mich hat natürlich das Lob über die gute Organisation, die doch mit einem großen Einsatz verbunden war, sehr gefreut und ich denke es war eine gute Gelegenheit unseren VQÖ, aber auch Wien und darüber hinaus Österreich vor einem internationalen Publikum entsprechend zu präsentieren. Mein herzlicher Dank gilt in diesem Zusammenhang allen Mitgliedern des Verbandes die mich durch ihre Mitarbeit unterstützt haben und meiner Tochter Barbara, die sich extra 1 Woche Urlaub genommen hat um das Kongressbüro zu leiten.

Aber auch der Leitung des Kolpinghotel mit der Geschäftsführerin, Frau Claudia Edelmayer-Murri mit ihrer gesamten Mannschaft sowie der Mannschaft der Cateringfirma gilt mein ausdrücklicher Dank, denn auch sie haben zur reibungslosen Abwicklung des Kongresses wesentlich beigetragen haben.

Und zum Schluss noch ein kleiner Ausblick, denn nach dem Kongress ist auch immer vor dem Kongress: Der ESCIF-Congress 2017 wird von Slowenien in der Zeit vom 26. bis 28. April 2017 organisiert.

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