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Kulturtage in der Schweiz

(von Martha und Ernst Preisinger)

In den vergangenen Jahren führten die Kulturtage des VQÖ in alle Landeshauptstädte der österreichischen Bundesländer. Den Abschluss bildete dabei im Vorjahr St. Pölten. Nun entschloss sich Obmann Manfred Schweizer, eine Kulturfahrt in die Schweiz zu unternehmen. Für diese Fahrt meldeten sich so viele Interessenten an, dass nur ein Teil heuer dabei sein konnte und diese Fahrt im nächsten Jahr für die anderen Mitglieder wiederholt wird.

Die heurige Fahrt startete von der Schwarzenberg-Kaserne in Salzburg, wo die 20 Teilnehmer (acht Rollstuhlfahrer, zwei Gehbehinderte mit Elektroscootern, neun Geher und der Chauffeur) ihre Autos stehen lassen konnten und in den Bus des Unternehmens Oberlojer aus Kärnten einsteigen konnten bzw. mit der Hebebühne in den Bus gehoben wurden./

Die Fahrt ging bei wolkenlosem Himmel auf der Autobahn über das große deutsche Eck, über die Inntalautobahn bis zur Raststation Pettnau zur Mittagspause. Dann ging die Fahrt weiter über den Arlberg, wo sich erste Wolken ankündigten, weiter über Liechtenstein in die Schweiz. Nach einer weiteren Pause in der Raststation Rheintal fing es bereits zu regnen an. Wir fuhren vorbei am Walensee, am Obersee, am Zürichsee, am Zugersee – die Schweiz wird auch als Land der Seen bezeichnet – und schließlich gelangten wir zum Sempachersee, wo wir im Gästehaus Guido Ä. Zäch des Paraplegikerzentrums Nottwil in geräumigen, behindertengerecht ausgestatteten Zimmern untergebracht waren. Und zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, was beim Aussteigen und Ausladen der Rollstühle sehr angenehm war.

Beim ersten sehr delikaten Abendessen im Seminarhotel Sempachersee lernten wir bereits erste Schweizer Ausdrucksweisen (wie z. B. eine Stange Bier = 0,2 L) und die Preise (Glas Wein 0,1 L 8 SFR, Stange Bier 5,5 SFR) kennen.

Am zweiten Tag gab es eine Führung durch das Paraplegikerzentrum. In einem sehr bewegenden Film wurde an Hand von drei Personen im Rollstuhl die Ganzheitlichkeit in Behandlung, Rehabilitation und bestmögliche Integration von querschnittgelähmten Personen in die Gesellschaft durch die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPF) dargestellt. Urs Styger, ein Mitarbeiter des Zentrums, erklärte in seinem Vortrag die Entstehung und die Organisation des heute weltweit einzigartigen Leistungsnetzes der Schweizer Paraplegiker-Gruppe (SPG) und führte uns durch die verschiedenen Abteilungen, wie z. B. orthopädischen Werkstätten, Rollstuhlabteilung, Fahrzeugumbau und zeigte uns die sportlichen Einrichtungen.Nach einem Mittagsimbiss im dortigen Selbstbedienungsrestaurant fuhren wir nach Luzern zum Rosengart-Museum, wo uns eine kompetente Führerin die zahlreichen Bilder von Pablo Picasso, Paul Klee, Joan Miró, Marc Chagall usw. sehr leidenschaftlich und lebendig näher brachte. Auch die über 80-jährige Besitzerin Angela Rosengart, die mit Pablo Picasso befreundet war, war anwesend.

Nach der Rückfahrt nach Nottwil gab es im Caribean Village, einem Lokal nahe des Bahnhofes in Nottwil, einen sogenannten „Apero“. Manfred erhielt den Tipp von Urs Styger und dachte dabei an einen kleinen Aperitif vor dem Abendessen, dass dann aber verschiedene Häppchen in reichlicher Menge serviert wurden, war doch eine Überraschung. Das Abendessen nahmen wir in dem im Hotel befindlichen Restaurant Aurora ein, und es schmeckte wieder sehr vorzüglich.

Am dritten Tag ging es durch das landschaftlich reizvolle Emmental, das durch die vielen Bauernhäuser mit den mächtigen Walmdächern beeindruckt, in den Ort Lützelflüh, wo sich das Gotthelf-Zentrum befindet. Jeremias Gotthelf ist das Pseudonym des sehr bekannten Schweizer Schriftstellers Albert Bitzius, der viele Romane und Erzählungen geschrieben hat. Einige Werke wurde sogar verfilmt (z. B. „Uli der Knecht“ oder „Die schwarze Spinne“), in denen Liselotte Pulver mitspielte. Die Museumsführerin mit ihrer kräftigen und deutlichen Stimme erzählte uns eindrucksvoll vom Leben und Wirken dieses bedeutenden Schweizer Schriftstellers.

Die Fahrt ging weiter in die Schweizer Hauptstadt nach Bern, wo nach kurzer Freizeit am Nachmittag eine Stadtführung am Programm stand. Startpunkt war der Bundesplatz mit dem Bundeshaus, von dort ging es zum Berner Münster, die größte und wichtigste spätmittelalterliche Kirche der Schweiz. Von der Münsterplattform konnten wir einen Blick auf die Aare genießen. Durch die Gerechtigkeitsgasse erreichten wir den Zeitglockenturm, ein aus dem Mittelalter stammender Uhrturm mit astronomischer Uhr und Glockenspiel, wo wir das bekannte Figurenspiel abwarteten, das uns der Führer eindrücklich beschrieb. Über die Nydeggbrücke gelangten wir zum Bärenpark, wo der Bus auf uns wartete. Kurz nach der Rückkehr in Nottwil fing es während des Abendessens zu schütten an und wir hofften, dass es sich in der Nacht ausregnen möge, da am nächsten Tag ein Ausflug auf den Pilatus, den Aussichtsberg am Vierwaldstättersee, bevor stand.

Welch ein Aufatmen am Morgen des vierten Tages: herrlicher Sonnenschein! Wir fuhren nach Kriens bei Luzern, wo wir mit Gondeln auf den bekannten Aussichtsberg gebracht wurden. In jede Gondel passte nur ein Rollstuhlfahrer, und das Hineinheben in die ca. 30 cm hoch schwebenden Gondeln war eine kleine Herausforderung, da die Gondeln nicht angehalten wurden. Schnell ging es in die Höhe und die Aussicht auf den Vierwaldstättersee und auf die Felsabhänge des Pilatus waren atemberaubend. Nach 25 Minuten Fahrt mussten wir in einer Höhe von 1416 Metern in eine größere Gondelbahn umsteigen, in die aber alle Teilnehmer barrierefrei hinein passten. Diese Fahrt dauerte nur 3,5 Minuten, und wir waren am Pilatus-Kulm in 2132 Metern angelangt.

In der Bergstation konnte man durch große Fenster die großartige Aussicht genießen sowie die weltweit steilste Zahnradbahn erblicken, die von der anderen Seite auf den Berg hinaufführt. Einige Teilnehmer erkundeten den rollstuhlgängigen Rundgang durch die 500 Meter lange Felsengalerie (Drachenweg) mit herrlichen Ausblicken. Während des köstlichen Mittagessens im Hotel Pilatus-Kulm zogen Wolken auf, aber bei der Talfahrt ließen wir die Wolken hinter uns und konnten wieder den Blick auf Berge und Seen genießen.

Bei der Führung am Nachmittag durch die schöne Stadt Luzern zeigte uns die Stadtführerin das moderne Kunst- und Kulturzentrum Luzern, die Kapellbrücke mit Wasserturm (die nach einem Brand originalgetreu wieder aufgebaut wurde), die Jesuitenkirche, die Nadelwehr, die Spreuerbrücke sowie Teile der Museggmauer. Über den Weinmarkt, den Kornmarkt und den Kapellplatz gelangten wir über die Seebrücke zur Schiffsanlegestelle, wo die zweistündige Schifffahrt am Vierwaldstättersee begann. Wieder ein Höhepunkt, denn die Ausblicke auf die Stadt Luzern und die vielen schönen Villen, Schlösser, Hotels und die sauberen Ortschaften am See waren traumhaft. An Bord gab es ein Spaghetti-Abendessen, wir genossen das sanfte Dahingleiten des Schiffes während der Dämmerung und als es dunkel wurde, kehrten wir wieder in das nächtlich beleuchtete Luzern zurück.

Auf der Heimfahrt am fünften Tag besichtigten wir noch die berühmte Wallfahrtskirche des Klosters Einsiedeln mit der Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle mit einer einstündigen Führung durch einen Benediktiner-Pater. Auch hier hatten wir Glück mit dem Wetter, denn während der Führung regnete es und als wir wieder einstiegen, war der Regen vorbei.

Dann ging die Fahrt rasch weiter auf der Autobahn und in Feldkirch stärkten wir uns im Gasthaus Löwen mit einem guten Mittagessen. Gegen 18 Uhr kamen wir wieder nach Salzburg, von wo alle Teilnehmer ihre weitere Heimreise antraten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Busfahrer Hubert, der mit großer Umsicht und Hilfsbereitschaft das sichere Ein- und Aussteigen der Rollstuhlfahrer bewerkstelligte.

Mit schönen Eindrücken, wunderbaren Erlebnissen und unzähligen kulturellen Informationen kehrten wir von dieser Reise zurück und unser Dank gebührt Manfred Schweizer und seiner Frau Maria, die diese Reise so toll organisiert haben. Die im nächsten Jahr teilnehmenden Mitglieder können sich schon jetzt auf diese Reise freuen.

 

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