Verband der Querschnittgelähmten Österreichs

Auf dieser Seite wollen wir immer wieder einmal einen Blick zurück machen und schauen, was früher passiert ist:
Wir erinnern uns heute an Herrn Doktor Otto Hartwig, der bei der Gründung des Verbandes 1957 zum 1.Obmann gewählt wurde und an den nach ihm benannten Pokal.


Dr. Otto Hartwig - Gedächtnispokal

Dr. Otto Hartwig wurde in der Gründungsversammlung des Verbandes der Querschnittgelähmten Österreichs am 2. 3. 1957 zum ersten Obmann gewählt.

Dr. Hartwig war Begründer unseres Verbandes, er war fünf Jahre unser Obmann, gab unserer Gemeinschaft bleibende Grundsätze und war als Schwerstbehinderter uns allen Vorbild.

Anlässlich der 10-Jahres-Feier im Jahre 1967 schrieb der Dr. Georg Neubauer, damals Primarius im Rehabilitaionszentrum Tobelbad: "
Schon bald nach der Eröffnung des Rehabilitationszentrums Tobelbad habe ich unseren querschnittgelähmten Patienten empfohlen, nach dem englischen Vorbild, sich in einem Verband zusammenzuschliessen. Erst als der inzwischen verewigte Dr. Otto Hartwig, ein persönlicher Freund aus meiner Gymnasialzeit, als querschnittgelähmter Patient im Rehabilitationszentrum Tobelbad aufgenommen wurde, fand sich in ihm der ideale, aufopfernde Mann, der als Verwaltungsjurist sich dieser Aufgabe mit grosser Begeisterung annahm. Mit ihm als Obmann wurde der erste Vorstand gegründet."

Dr. Hartwig stellte seine ganze Person, sein Wissen und Können dem Verband zur Verfügung. Am 11. 5. 1962 wurde dieser erfolgreichen und zielbewußten Arbeit durch den Tod ein Ende gesetzt.

 

Ihm zum Gedächtnis wurde in der Generalversammlung am 7. 10. 1962 In Obertraun beschlossen. den Dr. Otto Hartwig-Pokal zu stiften.

Dieser Pokal wird seither Mitglieder überreicht, die sowohl in beruflicher als in sportlicher Hinsicht hervorragendes leisten.
Folgenden Mitgliedern wurden in den Zeit von 1962 bis 1974 der Dr. Otto Hartwig Pokal überreicht:

  • Dr. Rosi Schweizer, geb. Kühnel
  • Erich Flieszar
  • Walter Telsnig
  • Dr. Klaus Newald
  • Heinz Schneider
  • Winfried Brauner
  • Maria Schweizer, geb. Schitter
  • Walter Sailer
  • Josef Jäger
  • Engelbert Rangger
  • Georg Leitinger
  • Johanna Ratzinger
Da wir hier die besonderen Leistungen aller nicht beschreiben können, wollen wir einige beispielhaft herausgreifen.

Dr. Rosa Schweizer

Die Wunden. die der Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit geschlagen hatten. waren vernarbt, man hatte wieder Hoffnung und freute sich seines Daseins.
Doch das Schicksal stellte alles wieder in Frage ...

Die Gymnasiastin Rosi war 15, als sie mit ihrem Fahrrad verunglückte.
Sie hatte eine totale Lähmung ab dem 4. Brustwirbel.

Rosi maturierte trotz Aufenthalt im Krankenhaus und im Rehabilitationszentrum, mit ihrer ehemaligen Klasse, dann begann sie sofort bei der Pensionsversicherungsanstalt zu arbeiten, gab Nachhilfestunden, erwarb sich einen PKW, begann das Rechtsstudium und promovierte Im Dezember 1966.

Daneben Sport und körperliches Training. Rosi erreichte auch hier, als ob es selbstverständlich wäre, bald an die Spitze, wurde einige Male Weltbeste im Schwimmen, Tischtennis, Bogenschiessen und 5-Kampf.

Am 6. April 1969 heiratete Rosi Kühnel den heutigen Obmann Manfred Schweizer und gemeinsam wurden ihnen 3 Mädchen geschenkt.

Sie wurde Behindertenreferentin der Caritas.

Nach langem Krebsleiden verstarb sie im Jänner 1990.

Dr. Klaus Newald

Der Dr. Hartwig Gedächtnispokal wird für das Jahr 1965 an Herrn Dr. Klaus Newald, Wien, verliehen. Dieses Jahr ist es das vierte Mal, dass wir diesen Pokal zum Gedenken an unseren vor drei Jahren verstorbenen 1. Obmann vergeben.

Vergeben an einen gelähmten Menschen, der durch seine hohe Lähmung (6. Halswirbel) auch an beiden Armen und Händen schwerstens behindert ist. Trotz alledem hat Dr. Newald wieder zurückgefunden zum Beruf und zur sportlichen Bewegung. Im Informationsblatt Nr. 29 haben wir uns anlässlich seiner Promotion zum Doktor der Rechte eingehend mit dieser aussergewöhnlichen Leistung befasst. Nun steht Dr. Newald auch schon seit einigen Monaten im Beruf.

Neben seiner Berufsausbildung hat Dr. Newald auch immer wieder versucht, eine seinem Zustand entsprechende sportliche Bewegung zu finden und auszuführen. Jeder von uns weiss, wie schwer es ist, allein bei gesunden Händen eine sportliche Bewegung vom Rollwagerl aus durchzuführen. Sind nun gar die Arme und Hände von der Lähmung betroffen, dann grenzt es fast an ein Wunder, wenn man wieder eine sportliche Leistung vollbringt. So liess sich Dr. Newald den Tischtennisschläger an die Hand binden, um so wieder Tischtennis spielen zu lernen und er hat es dabei zu einer guten Fertigkeit gebracht. Weiters erfüllte er die Bedingungen zum bronzenen Sportleistungsabzeichen für Tetraplegiker. Schliesslich brachte er es im Schwimmen soweit, dass er ohne fremde Hilfe schwimmen kann.

Halten wir uns zusammenfassend nochmals vor Augen: An beiden Beinen komplett gelähmt, mit Lähmungen an beiden Armen und Händen, die nur kleinere, schwache Bewegungen zulassen, beginnt Dr. Newald nach langer schwerer Rehabilitationszeit mit dem Studium, beendet dieses in normaler Studienzeit und beginnt sofort als Angestellter bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt zu arbeiten. Daneben versucht er, alle sportlichen Bewegungen zu erlernen, die auszuführen ihm möglich waren.

So glauben wir, dass bei der Vergebung des Dr. Hartwig Gedächtnispokals für das Jahr 1965 kein Würdigerer gefunden werden konnte als Dr. Klaus Newald. Daher unser Glückwunsch zu dieser Auszeichnung, mit den besten Wünschen für die Zukunft.

Am 2. August 2008 verstarb Dr. Klaus Newald nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im 70. Lebensjahr.

Heinz Schneider

Im "Aktuellen Interview"in Rollstuhl Aktiv, Ausgabe 140 im März 1999 erschien, sagt Heinz Schneider über seinen Unfall:

Der übliche Tetra-Unfall - ein Sturz ins Wasser 1957 (Tetraplegie - C 6) mit dem Glück dabei, daß es während der Ferialpraxis in einer Spinnerei passierte und daher ein Arbeitsunfall war. Rehabilitiert wurde ich im RZ-Tobelbad in einem Zeitraum von 11 Monaten. Besonders Bertl Rangger, selbst Rollstuhlfahrer, aber auch Reinhold Simon, mein Therapeut, waren wichtige Begleiter bei meiner Rehabilitation und später natürlich Heinrich Schmid, der damals Sozialarbeiter in der AUVA war.

Heinz war Teilnehmer an den 1. Paralympischen Spielen in Rom 1960 und gewann damals eine Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Seine berufliche Laufbahn begann als Trafikant, aber wie er selbst sagt: "Mein Herz hing an dieser Tätigkeit nie".
Er engagierte sich immer stärker in der Sozialarbeit und arbeitete einige Jahre hindurch als Generalsekretär der Österreichischen Arbeitsgemeinsachft für Rehabilitaion.

Im Jahr 2001 ging Heinz Schneider in Pension, Rollstuhl Aktiv berichtete darüber unter dem Titel: "Da tritt jemand in den Ruhestand ein - und nichts verändert sich ...."

Winfried Brauner

Der Feinmechanikerlehrling Friedl war gerade 19 Jahre alt, als er vom Reck stürzte. Die Folge war eine totale Lähmung ab dem 9. Brustwirbel.

Friedls Weg: Heimarbeit, Kurse am Wirtschaftsförderungsinstitut und an der Hochschule für Welthandel, Arbeit als Buchhalter, zuerst zu Hause, dann, als er sattelfest wurde. bei einem der bedeutetsten Wirtschaftsberater als Bilanzbuchhalter.

Daneben, wie könnte es anders sein, Sporterfolge.
Organisationsarbeit im Verband, Vorstandsmitglied und Leiter der Aussenstelle Wien.

1965 heiratete Winfried Brauner seine Hilde, im Jahr 1985 konnte er sich in Unterwaltersdorf ein Haus errichten.
1993 Pensionsantritt, Engagement beim Musikverein Ebreichsdorf, Dorferneuerungsverein Unterwaltersdorf, viele Reisen.
Winfried Brauner stand mehr als 10 Jahren dem Verband der Querschnittgelähmten Österreichs als Rechnungsprüfer zur Verfügung.

Nach 40 Jahren Ehe verstirbt seine Frau Hilde im Jahr 2005, von Friedl selbst mussten wir uns am 18. Mai 2008 verabschieden.

Maria Schweizer

  • Maria Schweizer wurde als Maria Schitter am 26. Mai 1945 in St. Andrä im Salzburgischem Lungau geboren.
  • Am 6. März erlitt sie im elterlichen Bauernhof durch einen Querschläger eine Schussverletzung, die zu einer kompletten Querschnittlähmung führte.
  • Nach einer Rehabilitation in Tobelbad besuchte Maria für drei Jahre in Wien die Handelsschule zur Umschulung.
  • Seit 1967 in verschiedenen Funktionen im Verband der Querschnittgelähmten aktiv, als Schriftführerin oder Beirat.
  • Von 1967 bis 1971 arbeitete Maria in der Raiffeisenkasse in Tamsweg.
  • Von 1971 weg war Maria als medizinische Schreibkraft in Tobelbad tätig.
  • 30. November 1991: Hochzeit mit Manfred Schweizer - und dadurch wurde sie auch "Mutter" von Maria, Rosi und Kathi.
  • Seit 1991 Ende der beruflichen Laufbahn, Pensionsantritt

Walter Sailer

Walter Sailer, Jahrgang 1935 verunglückte im Jahr 1959 bei einem Kopfsprung ins Wasser der Mürz. Die Folge: Querschnittlähmung im Halsmarkbereich.

Erste medizinische Behandlung im Werkspital Kapfenberg, dann im Landeskrankenhaus Graz, schliesslich wurde Walter im Jahre 1960 als einer der ersten Tetraplegiker im Rehabilitationszentrum Tobelbad rehabilitiert. Schon während seiner Rehabilitationszeit in Tobelbad war er leuchtendes Vorbild, und mit etwas Neid und Bewunderung verfolgten viele seine unglaubliche Körperbeherrschung und Beweglichkeit, die er bei entsprechender Laune durchaus auch übertreiben konnte.

Fast selbstverständlich wurde er ein erfolgreicher Sportler, vierfacher Olympiateilnehmer und Goldmedaillengewinner.

Dem Verband der Querschnittgelähmten Österreichs trat Walter im Jahr 1961 bei, arbeitete sowohl im Vorstand, wie vor allem als Aussenstellenleiter für die Steiermark. Für diese Verdienste wurde er Ehrenmitglied, erhielt das Ehrenzeichen und für die sportlichen Erfolge den Ehrenlorbeer des Verbandes.

1979 machte Walter als einer der ersten Rollstuhlfahrer eine Lehrwarteausbildung im Behindertensport für Körperbehinderte an der Bundesanstalt für Leibeserziehung Graz und wurde so staatlich geprüfter Lehrwart. Dies ermöglichte ihm dann auch bei seiner Anstellung im LSKH Stolzalpe den Beruf eines Ergotherapeuten erfolgreich auszuüben.

Daneben war er auch Automechaniker, Mopedspezialist und geschickter Nothelfer bei PWK- oder Rollstuhl-Umbauten.

Gemeinsam mit Sabine Schneider entwickelte er auch das Konzept für den "Aktivkurs" des Verbandes der Querschnittgelähmten in Rovinj, bei dem "alte Querschnittler" den frisch Verunfallten Tipps geben und Tricks zeigen konnten und der dank der Unterstützung durch die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) jahrelang erfolgreich durchgeführt wurde.

Am 6. Mai 2002 mussten wir am Stadtfriedhof seiner Heimatstadt Kapfenberg von ihm Abschied nehmen.

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