Rollstuhl-Rugby-Europameisterschaft 2011 in Nottwil
(von Rene Schwarz)
Am 1. Oktober wurden unsere Spieler einer Klassifizierung unterzogen und diese verlief aus österreichischer Sicht positiv. Keiner der Spieler wurde auf- oder abgestuft. Danach erfolgte das erste Training und die Motivation und die Erwartung aufs erstte Spiel stiegen. Nur unsere Stühle (wie bei fast jeder Nation) mussten teilweise korrigiert werden (Bumper-Höhen etc). Aber Mario, unser Techniker werkte intensiv daran und konnte alles regelkonform lösen.
Ein Trainingsspiel gegen Polen folgte am darauffolgenden Tag bei dem jeder Spieler seine Spielzeit bekam und sich so aufs Auftaktspiel gegen Dänemark vorbereiten konnte.
Leider haben wir dann aber das Auftaktspiel gegen Dänemark 44 zu 45 verloren. Wir konnten zwar mit einer starken Teamleistung das Spiel ständig an uns binden und den Gegner unter Druck setzen, aber ein schnelles und anstrengendes Spiel forderte jedoch am Ende seinen Tribut. In den letzten 40 Sekunden entschied sich das Spiel in dem wir beinahe ständig geführt haben. Wir verspielten leider eine 2-Punkte-Führung und verloren dann 44 zu 45.
In einem spannenden und unerwartet starkem Spiel gegen Schweden gingen wir zwar wieder als Verlierer vom Platz, aber dieses Ergebnis spiegelt nicht die Leistung des österreichischen Teams wieder. Wir kämpften bis zum Ende und brachten so den amtierenden Europameister 2011 und dzt. Viertplatzierten der Weltrangliste stark unter Druck. Phasenweise führten wir sogar, aber die Schweden haben wie beinahe alle Nationen einen 12 Mann-Kader. Somit können sich Spieler während des Spiels "ausrasten”, was bei unserem 8-Mann Kader nicht möglich ist. Eine Minute Unkonzentriertheit führt hier zu einem Rückstand, den man sich auf diesem hohen Niveau nicht leisten kann. Wir haben das sehr gute und schnelle Spiel leider mit 54 zu 51 verloren. Danach folgte ein Regenerationsnachmittag.
Alles ist vorbei – mit einer weiteren Niederlage im Turnierverlauf gegen den letzten Europameister Belgien verpassen wir den geforderten zweiten Gruppenplatz. Nach einer schlechten Leistung, sei es durch zu hohen auferlegten Druck oder durch zu große Nervosität konnten wir nun nur mehr durch zwei Siege den vierten Gruppenplatz erreichen.
Am darauffolgenden Tag gab es endlich den ersehnten Sieg. Mit einer konstanten starken Leistung konnten alle Linien überzeugen und wir siegten mit 55:40 Toren klar gegen die Niederländer. Ein kleiner Trost und ein Motivationsschub, den wir gegen Finnland am nächsten Tag ausnützen wollten.
Doch leider verloren wir erneut das Spiel gegen Finnland mit 53:50. Ein spannendes Spiel, in dem wir leider wieder in kurzer Zeit zu viele Eigenfehler produziert haben und dadurch einen Vorsprung hergegeben mussten. Auf diesem hohen Niveau (siehe enge Resultate aller Spiele) verliert leider derjenige, der 30 Sekunden unkonzentriert ist. Kraft und Stärke waren nicht ausschlaggebend sondern vor allem Schnelligkeit. Solange man Spieler zu dritt nicht stoppen kann, kann man auch nicht ganz oben mitspielen.
Im Kreuzspiel gegen Irland konnten wir wieder einen klaren Sieg einfahren. Bis auf das erste Viertel, wo die erfahrenen Spieler Max und Isi nicht eingesetzt wurden, um diverse Spielzüge zu trainieren, waren wir in jeder Phase des Spiels klar besser. Auch im zweiten Kreuzspiel Schweiz gegen Holland waren die Eidgenossen aus dem Nachbarland dominierend. Somit stand das Platzierungsspiel um Platz 9/10 fest: Österreich gegen Schweiz, eine Neuauflage wie bei der letzten EM in Dänemark, wo die Schweizer klar gewinnen konnten.
Mit einem glanzvollen Sieg verabschiedeten sich die Flying Wheels von der EM. Im Spiel gegen die Schweiz, das zu Beginn ausgeglichen war, konnten wir mit einer 2-Punkte-Führung das Game ausgeglichen halten. Durch konsequente Teamarbeit, sowohl in der Defensive bei der Presse und in der Key-Defense, als auch in der Offensive erzielten wir Tor um Tor. Wir konnten die Führung letztendlich auf 11 Punkte ausbauen und erreichten durch den Sieg die Revanche für die EM in Dänemark.
Platz 9 ist somit das Endergebnis der EM 2010!

Fazit: Nach der klar verpassten Vorgabe, Platz 4 und somit Paralympics-Qualifikation für London 2012, werden sich einige Dinge ändern müssen. Leider beendete Max Stroblmair seine Team-Karriere aus gesundheitlichen Gründen und reißt somit auch ein Loch ins Nationalteam. Der wohl erfahrenste Spieler und Team-Kapitän verabschiedete sich mit einer Glanzleistung und einem sehr starkem Auftritt bei seinem letzten Spiel. Es werden neue Aufgaben verteilt werden und andere Spielzüge und Varianten erarbeitet werden müssen. Führungspersönlichkeiten sowie Leistungsträger werden neu aufgebaut. Das eigentliche Hauptziel, dass vor drei Jahren festgelegt wurde: Rio 2016 darf hierbei nicht außer Acht gelassen werden. Es gilt neue Wege zu gehen, Nachwuchs-Suche sowie Sponsorensuche werden in der nächsten Saison im Vordergrund stehen müssen!
Ein herzlicher Dank gilt auch an unsere Betreuer, Martina, Hanna und Mario, die das Team während des gesamten Turnierverlaufs mit allen Mitteln und Kräften unterstützt haben, sowie Michaela, die als Team-Managerin fungierte.
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