Kuraufenthalt in Bolnica bei Rovinj in Kroatien – Erholung pur!
(von Martha und Ernst Preisinger aus Linz)

Vom 16. bis 30. Juni 2011 verbrachten wir heuer erstmals einen zweiwöchigen Kuraufenthalt in Bolnica bei Rovinj. Der Verband der Querschnittgelähmten Österreichs organisiert pro Jahr einen Turnus von drei Wochen für seine Mitglieder. Unsere Freunde Anneliese und Matthias aus Wien, die im vorigen Jahr schon in Bolnica waren, erzählten uns begeistert davon und machten uns auf diese Möglichkeit aufmerksam. Dieses Mal waren 29 Teilnehmer dabei, manche blieben drei Wochen, manche so wie wir zwei Wochen.

Mit Traudi und Robert sowie Matthias und Anneliese reisten wir aus Lienz in Osttirol, wo wir gemeinsam eine Urlaubswoche verbracht hatten, nach Bolnica an. Dort im Gästehaus angekommen begrüßte uns Obmann Manfred Schweizer und half uns beim Koffer auspacken. Matthias zeigte uns alle Gebäude der Reha-Anstalt, wie Restaurant, Hallenbad, Kirche, AUVA-Haus usw. sowie die weitläufige Anlage mit Strand und den Rundweg um die Halbinsel. Wir waren sehr froh, dass wir unsere Handicap-Scooter, die wir seit einem Jahr besitzen, mit dabei hatten. Ohne diese Scooter wären die Wege in diesem Gelände für uns viel zu weit, denn wir sind beide gehbehindert (seit der Kindheit durch Polio), mein Mann braucht zum Gehen zwei Krücken und ich einen Stock. Noch am selben Tag hatten wir einen Termin beim Kurarzt, der uns die Therapien für die kommenden Wochen verordnete. Nach dem Abendessen teilte uns Manfred Schweizer alles Wissenswerte über den Aufenthalt mit und dann ging es gleich an den Strand, um den Abend am Meeresufer ausklingen zu lassen. Gleich am nächsten Tag ging es mit den Therapien los und wir konnten im Meerwasserhallenbad bei 32 Grad schwimmen. Der Bademeister holte uns mit dem Duschrollstuhl, sodass wir gefahrlos und ohne Angst auszurutschen zum Schwimmbecken gelangten.


Am Samstag, 18. Juni 2011, war ein Schiffsausflug nach Novigrad geplant, an dem wir gerne teilnahmen. Schiffseigner Toni mit seiner Crew hoben alle Rollstuhlfahrer sowie unsere Scooter auf die Marija, einem fast 150 Jahre alten Schiff. Die Tour nach Novigrad sollte zwei Stunden dauern, doch es gab ziemliche Wellen, sodass Toni das Schiff näher an der Küste an einigen Inseln vorbei lenkte und die Fahrt dadurch um eine halbe Stunde länger dauerte. In Novigrad angekommen, wurden wieder unsere Scooter und alle Rollstuhlfahrer ausgeladen und wir konnten das recht nette und saubere Städtchen besichtigen. In der Nähe des Hafens liegt ein windgeschützter Badeplatz, doch auf der anderen Seite war das Meer sehr stürmisch. Dort befinden sich auf zwei Stegen mehrere wellenförmige Haltestangen, an denen sich die Badenden festhalten können. Zurück auf dem Schiff wurden wir mit gegrilltem Fisch und Würstchen bewirtet und bald nahm der Kapitän die Rückfahrt auf. Die Wellen waren noch stärker und das Schiff schaukelte ganz schön auf und ab. Die Rollstuhlfahrer wurden angebunden und unsere Scooter mit einem Strick befestigt, damit sie nicht ins Rutschen kamen. Einige seefeste Damen unserer Gruppe nahmen ganz vorne die Plätze ein, dort schaukelte es am meisten. Leider wurden drei aus unserer Gruppe seekrank und für diese dauerten die drei Stunden, die wir für die Rückfahrt brauchten, sehr lange. Für die anderen war es eine lustige und ziemlich feuchte Fahrt, spritzten doch sehr oft die Wellen herein ins Boot. Manfred meinte nach dieser abenteuerlichen Bootsfahrt, so eine Schaukelei habe er in all den Jahren noch nie erlebt.

Am Sonntag kann man in der Kirche die auf kroatisch gehaltene Sonntagsmesse besuchen. Manfred betet eine Lesung und einige Fürbitten auf deutsch und am Ende des Gottesdienstes wird ein deutsches Lied angestimmt. Nach dem Gottesdienst laden Manfred und seine Frau Maria immer zu einem Pfarrcafé auf die Terrasse des Gästehauses ein, wo man sich bei Kaffee und Kekserl gemütlich unterhalten kann. Da es an diesem Sonntag nach dem Mittagessen bedeckt war, fuhren wir in das Städtchen Rovinj, das ca. 2,5 km entfernt liegt. Anscheinend dachten sich dies auch andere Urlauber, denn es waren sehr viele Leute unterwegs. Doch bald schien wieder die Sonne und an diesem Nachmittag wurde an unserem Strand sozusagen der Sommer eröffnet, das heißt, es wurde das erste Mal die fahrende Liege betätigt. Und wir nicht dabei, wo wir doch schon so neugierig darauf waren! Aber am nächsten Tag war es soweit und wir konnten dieses großartige Service des Ins-Meer-Gelangens ausprobieren und im Meer bei 24 Grad schwimmen.


Täglich um halb neun Uhr gibt es das sogenannte "Schnaufen", eine halbstündige Gymnastikstunde unter der Leitung von Manfred, manchmal auch von Mentl, die am Weg zur Uferpromenade mit Blick auf die Meeresbucht stattfindet. Eine ganz neue Erfahrung für uns, in den Morgenstunden in freier Natur inmitten von Wald, zwitschernden Vögeln und strahlender Sonne zu turnen.

Am nächsten Samstag bot Manfred einen Ausflug nach Motovun, einem bezaubernden Bergdorf im Landesinneren von Istrien, an. Wir beide sowie Karl waren mit dabei und nach ca. einer Fahrstunde tat sich ein grandioser Blick auf das auf einer Bergkuppe liegende Städtchen auf. Manfred fuhr mit uns durch die engen, steilen Gassen durch zwei Tore hindurch, bis wir am Oberen Hauptplatz bei der Stefanskirche parken konnten. Bei dem ca. 500 Meter langen Rundweg eröffneten sich immer wieder herrliche Ausblicke auf das Mirnatal oder auf die Dächer des Dorfes. An einem Haus ist eine Tafel für den Autorennfahrer Mario Andretti angebracht, der hier geboren wurde. Wir hatten an diesem Tag besonderes Glück, denn es war so klar, dass wir bis zum Cicarija-Gebirge blicken konnten.

Mein Mann und ich waren auch neugierig auf die im Süden Istriens gelegene Stadt Pula, die wir bei einem Halbtagesausflug besichtigten. Das römische Amphitheater, die engen mittelalterlichen Gässchen der Altstadt sowie die alten Stadttore Porta gemina und Herkulestor erzählen von der langen Geschichte dieser Stadt.

 

Zwei Tage vor der Heimfahrt gab es ein Abschiedsessen im Restaurant Porton Biondi auf der Anhöhe beim Campingplatz. Bei herrlicher Abendsonne unterhielten wir uns prächtig und Robert überreichte Manfred als kleines Dankeschön für die gute Organisation einen Mistelgrappa, der bei Seekrankheit sehr gut helfen soll.

Leider vergingen die zwei Wochen viel zu schnell. Wir fühlten uns in der Gruppe sehr wohl und sehr gut aufgenommen und werden im nächsten Jahr sicher wieder mit dabei sein. Da es am Morgen des Abreisetages regnete, fiel uns der Abschied nicht gar so schwer.
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