Austrian-Open 2011 in Groß-Siegharts
(von Dr. Andreas Hauer)
Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen Roger Federer, Rafael Nadal oder Jürgen Melzer in einer kleinen Waldviertler Gemeinde über den Weg laufen?
Die Stars im Rollstuhltennissport "laufen" Ihnen zwar nicht über den Weg aber sie treffen sich seit mittlerweile 24 Jahren in Groß-Siegharts, um sich bei den s-Versicherung Austrian Open im Rollstuhltennis zu messen. Das internationale Behindertensportevent fand von 10.-14. August auf der Tennisanlage Groß-Siegharts statt.
Nach den Anfängen der Sportart in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den USA wurde 1988 als eines der ersten europäischen Turniere das Rollstuhltennisturnier in Groß-Siegharts veranstaltet. Seither sind die Austrian Open ein Fixpunkt im internationalen Turnierkalender und die Veranstaltung brachte so in den letzten 24 Jahren etwa 700 Spieler aller Kontinente ins Waldviertel.
Die internationale Rollstuhltennistour ist ähnlich den Turnierserien im Tennis für Menschen ohne Behinderung organisiert. So gibt es wie bei der ATP oder WTA Tour unterschiedliche Turnierkategorien und eine professionelle weltweite Turnierstruktur. In die Tour sind heuer weltweit 170 Turniere integriert, wobei die Austrian Open zu den traditionsreichsten und auch zu den bestdotierten Veranstaltungen zählen.
Das Turnier wird als "ITF 2 Series" Turnier veranstaltet und ist daher im Vergleich zu "Geher Turnieren" besser eingestuft als das Wiener Stadthallenturnier oder das Tennisturnier in Kitzbühel. In Groß-Siegharts wurden heuer 17.000 US-Dollar Preisgeld ausbezahlt, Der größte Unterschied zum "normalen" Tennissport besteht darin, dass der Ball zwei Mal den Platz berühren darf, bevor er geschlagen wird, wobei diese Regel in der Weltspitze nur selten ausgenützt wird und so ein schnelles und sehenswertes Tennisspiel entsteht. Viele Behindertensportarten verlieren sich in den unterschiedlichen Amputations- und Querschnittsklassen, was die Sportarten oft weniger attraktiv und aufwendig zu verfolgen macht. Bei Rollstuhltennis hingegen wird auf diese Einteilung verzichtet. Grundsätzlich wird nur zwischen Damen und Herren unterschieden und die Art der Behinderung wird nicht berücksichtigt. Einzige Ausnahme ist der "Quad Bewerb", bei dem nur Spieler zugelassen sind die zusätzlich eine Behinderung der Arme aufweisen. Oftmals sind dies Spieler mit einer Halswirbelsäulenverletzung, die dadurch in ihrer Mobilität deutlich eingeschränkt sind aber erstaunliche Leistungen im Rollstuhlsport bringen können.
Das Teilnehmerfeld beim Austrian Open 2011 erstreckte sich von Kolumbien, den USA über viele europäische Staaten, Nigeria, Sri Lanka, Japan bis hin zu Australien, und zeigte wie beliebt Österreichs traditionsreichstes Rollstuhltennisturnier ist.
Das österreichische Team wurde von Martin Legner (Bild rechts) angeführt. Der 50jährige Tiroler spielt schon seit seinem 27. Lebensjahr Rollstuhltennis, nachdem er bei einem Paraglideunfall eine Querschnittslähmung erlitt. Martin Legner ist der erfolgreichste Doppelspieler aller Zeiten und gewann mit unterschiedlichen Partnern weltweit 184 Doppeltitel. Bereits seit 1997 wird er ohne Unterbrechung in den Top 10 der Einzelweltrangliste geführt und vertrat Österreich bei allen Paralympics seit 1992. Der Serienstaatsmeister war in Groß-Siegharts heuer an der 3. Stelle gesetzt und galt so als einer der Turniermitfavoriten.
Die gesetzte Nummer 1 im Herrenbewerb war der Titelverteidiger Nicolas Peifer aus Frankreich. Der 20jährige Franzose kam nach einer beidseitigen Beinamputation bereits in Kindesjahren zum Rollstuhltennis. Die Favoritinnen bei den Damen waren die beiden Deutschen Katharina Krüger und Sabine Ellerbrock.
Das Turnier wurde von 50 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des Vereins Rollstuhltennis Austria organisiert und ausgetragen.
Nähere Informationen und Ergebnisse gibt es unter www.austrian-open.net
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