Soziales Umfeld

Arbeitsstress und Lebensqualität

Arbeitsstress und Lebensqualität – Der Effekt von belastenden Arbeitsbedingungen bei querschnittgelähmten Personen

(mit freundlicher Genehmigung von Dr. Teresa Brinkel, Schweizer Paraplegiker-Forschung)

Hintergrund

Viele Studien belegen, dass stress-generierende Arbeitsbedingungen zu einer Verminderung der Lebensqualität und der Gesundheit beitragen können. Zudem ist wissenschaftlich erwiesen, dass Stress die Lebensqualität insbesondere bei sozial und finanziell schlechter gestellten Personen herabsetzt. So haben zum Beispiel Menschen mit einer einfachen Bildung und einem niedrigen Einkommen ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken und einen Schlaganfall zu erleiden als besser gestellte Personen. Sozioökonomische Faktoren, wie die formale Ausbildung, der Beruf oder das Einkommen spielen demzufolge bei den individuellen Auswirkungen von Stress eine wichtige Rolle. Während gesicherte Erkenntnisse für die allgemeine Bevölkerung vorliegen, fehlen vergleichbare Studien bei Menschen mit Behinderungen weitgehend.

[Kristenson M., (2006). Socio-economic position and health: the role of coping. J. Siegrist & M. Marmot (Eds.). Social inequalities in health. pp. 127-151. Oxford: Oxford University Press.
Tsutsumi, A., Kayaba, K., & Ishikawa, S. (2011). Impact of occupational sress on stroke across occupational classes and genders. Soc Sci Med, 72(10), pp. 1652-1658.]

Fragestellung

Deshalb hat eine Forschergruppe nun entsprechende Daten aus der SwiSCI Umfrage zusammen mit Daten aus einem internationalen Forschungsprojekt zur Arbeitsmarktintegration querschnittgelähmter Menschen analysiert .

Die Studie greift zwei Fragestellungen auf: 1.) Gibt es einen Zusammenhang zwischen beruflich bedingtem Stress und Lebensqualität bei Personen mit Querschnittlähmung? und 2.) Ist der Einfluss von stress-generierender Arbeit auf die Lebensqualität in sozial benachteiligten Gruppen stärker ausgeprägt als in privilegierteren Gruppen?

Wissenschaftliches Vorgehen

Um diese Fragen zu beantworten, werteten Wissenschaftler Daten von 386 querschnittgelähmten erwerbstätigen Personen aus der Schweiz, den Niederlanden, Norwegen und Dänemark aus. Diese Personen arbeiteten zum Zeitpunkt der Studie mindestens 18 Stunden pro Woche.

Variable

Total alle Länder

Niederlande

Schweiz

Dänemark

Norwegen

Soziodemographische Faktoren

 

 

 

 

 

Alter im Durchschnitt

47.8

47.6

46.9

50.0

48.0

Männlich %

74.6

76.9

81.7

65.9

67.6

Arbeitsstunden / Woche

29.5

29.9

29.4

30.4

28.9

Lähmung

 

 

 

 

 

Paraplegie %

74.0

71.3

78.7

71.4

73.3

Jahre seit Qsl

19.9

19.8

18.1

19.6

22.0

 

Die Wissenschaftler unterteilten die Begriffe „Arbeitsstress“, „Lebensqualität“ und „sozioökonomischer Status “ in Faktoren, die sich anhand der erhobenen Daten messen lassen.

So wurde Arbeitsstress anhand des Ungleichgewichtes zwischen Einsatz (z.B. geleistete Arbeit, erlebter Zeitdruck, hohe Anforderungen) und Belohnung (z.B. Wertschätzung, angemessene Bezahlung) gemessen. Ein Missverhältnis zwischen diesen Faktoren kann zu Stressreaktionen im Erwerbsleben führen. Die Teilnehmenden wurden auch gefragt, inwieweit sie als Arbeitnehmende Einfluss auf arbeitsbezogene Prozesse haben, denn es ist bekannt, dass geringe Kontrolle am Arbeitsplatz ebenfalls zum Arbeitsstressempfinden beiträgt.

Um die Lebensqualität der Befragten abzuschätzen, wurde gefragt, wie diese ihre allgemeine Lebensqualität einschätzen und wie zufrieden sie mit ihrer Gesundheit, ihren sozialen Beziehungen, der Ausführung von alltäglichen Aktivitäten und ihrer Wohnsituation seien. Der sozioökonomische Status wurde mittels Schulbildung und finanzieller Situation abgebildet.

Ergebnisse

Die Auswertungen zeigen, dass die Lebensqualität von Arbeitnehmenden mit Querschnittlähmung variiert, und zwar in Abhängigkeit vom Ausmaß der Stressbelastung am Arbeitsplatz. Personen, die ein Ungleichgewicht zwischen ihrer Arbeitsleistung und ihrer Vergütung erfahren, haben ein erhöhtes Risiko für eine niedrigere Lebensqualität.

Sie sind zudem weniger zufrieden mit ihrer Gesundheit, mit sozialen Beziehungen, mit alltäglichen Aktivitäten und ihrer Wohnsituation.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Arbeitsstress

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit

Ähnliche Zusammenhänge konnten die Forscher auch bei Personen feststellen, die wenig Einfluss auf die Arbeitsorganisation, das Arbeitstempo oder arbeitsbezogene Entscheidungen haben. Diese Personen berichteten allgemein von einer niedrigeren Lebensqualität als Personen mit mehr Einflussmöglichkeiten.

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Jobkontrolle

Abbildung 4: Zusammenhang Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit und Jobkontrolle

 

Was diese Untersuchung jedoch nicht bestätigt, ist eine Verringerung der Lebensqualität durch stresserzeugende Arbeit besonders in sozioökonomisch benachteiligten Gruppen. Demzufolge zeigen die Daten nicht, dass rückenmarksverletzte Personen mit einer einfachen Ausbildung und finanziellen Problemen mehr an den Folgen belastender Arbeitsbedingungen leiden als besser gestellte Personen.

Ein Grund für das Fehlen dieser Zusammenhänge könnte darin liegen, dass diese Untersuchung in Ländern durchgeführt wurde, die über ein gut ausgebautes Sozial- und Gesundheitssystem verfügen. Es kann angenommen werden, dass die günstigen sozialen Rahmenbedingungen in diesen Ländern, wie zum Beispiel Sozialversicherungen, Massnahmen des Arbeitsschutzes oder finanzielle Unterstützungen die negativen Effekte von Arbeitsstress auf die Lebensqualität bei benachteiligten Gruppen abfedern.

Interessant wäre es demzufolge, eine vergleichbare Studie in Ländern mit weniger gut ausgebautem Sozialsystem durchzuführen. Zudem spielen bei Personen mit Rückenmarksverletzungen die soziale Unterstützung durch Angehörige, Freunde und Versorgungsdienstleister eine besonders wichtige Rolle für eine hohe Lebensqualität und Gesundheit. Es wird angenommen, dass soziale Unterstützung die negativen Auswirkungen von Arbeitsstress ebenfalls mindern kann.

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die chronische Arbeitsstressbelastung kann langfristig zu einer schlechteren subjektiven Lebensqualität und geringeren Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen führen. Die Effekte von Arbeitsstress auf Lebensqualität scheinen jedoch nicht von der Bildung oder der finanziellen Situation der Arbeitnehmenden abzuhängen.

 

Saisonstart in der Wachau: Linienschiffe auf der Donau unterwegs

Wie die NÖN berichtet, wurde das rollstuhlgerechte Schiff der DDSG, die "MS Prinz Eugen" im Winter generalsaniert und fährt ab dem 1. Mai 2016 unter dem neuen Namen "MS Dürnstein"!

Seit 20 Jahren sind Schiffe sowohl der Brandner-Schiffahrt als auch der DDSG Blue Danube regelmäßig auf der Donau in der Wachau unterwegs. Nun hat die Linienschifffahrt auf der Donau in der Wachau wieder ihren Betrieb aufgenommen.

MS Prinz Eugen fährt jetzt unter dem Namen MS Dürnstein

Das Brandner-Schiff MS Austria und das DDSG-Schiff MS Wachau verkehren täglich zwischen Krems und Melk (Abfahrt 10.10 bzw. 10.15, Rückkunft 15.30 bzw. 16.05 Uhr), dazu gibt es jede Menge Kombi-Angebote (mit Ausflugszielen, Bus, Bahn, Rad), auch kurze Morgen- und Abendrundfahrten (beispielsweise Krems-Dürnstein oder Krems-Spitz).

Die DDSG fährt üblicherweise mit zwei Linienschiffen, die MS Prinz Eugen wurde allerdings im Winter generalüberholt und startet ab 1. Mai unter dem neuen Namen MS Dürnstein. Und auch Brandner hat investiert: Die MS Austria verfügt nun über eine Klimaanlage an Bord.

Etwa zwei Drittel der Linienschifffahrtsgäste sind laut Barbara Brandner Gruppenreisende, sie kommen vorwiegend aus Österreich, dann aus Deutschland, der USA und aus dem asiatischen Raum. 7.000 Anlegungen – allein von Linienschiffen – werden während der Saison von April bis Oktober an den 23 Donaustationen zwischen Krems und Melk gezählt.


Wachau-Schifffahrt mit dem Rollstuhl erleben

(von Josef Krapfenbauer, fesjo@gmx.at)

Rollstuhlfahrer haben schon sehr lange die Möglichkeit, die Linienschiffahrt Krems - Melk und retour mit einem Schiff erleben zu dürfen. Wir fuhren im Sommer des vorigen Jahres mit der "MS Prinz Eugen" diese Strecke. Achtung! Nach einer Generalsanierung dieses Schiffes im vergangenen Winter fährt es ab 1. Mai 2016 unter dem neuen Namen "MS Dürnstein". Der Einstieg in das Schiff ist allerdings nur mit einer vertrauenswürdigen Begleitperson zu empfehlen, das Personal wäre zwar sehr hilfsbereit, aber geübte Unterstützung ist da schon zuverlässiger. Der Zugang zum Schiff ist etwas uneben.

Mit einigen Rollstuhlfahrern unterwegs

     

Bei gutem Wetter auf der MS Dürnstein

        

Wir waren eine Gruppe von 34 Personen, davon vier Rollstuhlfahrer. Zum Essen waren die Plätze auf dem Unterdeck reserviert, denn wir hatten das Kombi-Angebot Wachauschifffahrt mit Schnitzel angenommen.

Mit einem Treppenlift kann man aber auch leicht das 1. Oberdeck erreichen. Wer mit dem Rollstuhl auf das oberste Sonnendeck möchte, benötigt jedoch kräftige Helfer, die einen über die Stufen hinauf schleppen. Das WC auf dem Schiff ist von der Größe her ausreichend und im Unterdeck leicht erreichbar.

Leider reicht die Zeit nicht aus, um in Melk an Land zu gehen, aber man kann die gesamte Fahrt auch vom Unterdeck wundervoll übersichtlich genießen. Durch die musikalische Begleitung einiger Musikanten und der Groß Gerungser Sängerrunde verging die Zeit auf dem Schiff rasend schnell. Eine Schülergruppe stimmte letztendlich auch noch das Lied "Donau so blau" an. Ein wirklich beeindruckender Ausflug, den ich nur empfehlen kann.

  

  

Asyl-Notquartiere in Wien

(von Heinz Gardavsky)

Die neuen Unterkünfte für Asylanten wurden im 23. Bezirk bereits adaptiert. Die Anrainer sind nicht begeistert, die ersten Bürgerproteste werden laut und auch die Politiker tun sich schwer. Abgesehen von SPÖ und den Grünen, für die alles klar ist, hat sich die Bezirksvertretung Liesing uneingeschränkt zu den Grundsätzen der „Genfer Flüchtlingskonvention“ zu bekennen.

Prinzipiell sind Bauten wie die vorgesehen Unterkünfte zu schade um ungenützt zu bleiben, dennoch ist es einer Überlegung wert, ob es sinnvoll ist, 750 Flüchtlinge hier wie in einem Ghetto unterzubringen. Es gibt in der näheren Umgebung weder Arbeitsplätze noch Schulen, von Krankenhäusern schon gar keine Spur. Das Spital Hietzing soll verlegt werden und die ehemaligen Altenheime dieses Anwesens sind ohnehin schon mit etwa 1000 Asylanten belegt.

Noch hält sich die Kriminalitätsrate in Grenzen. Wie aber wird es in Zukunft sein. Ich war Ende des Vorjahres in einem Pavillon des früheren Lainzer Areals. Ich begegnete Syrern, Marokkanern, Schwarzafrikanern und andere Volksgruppen, die jeder für sich in Gruppen herum gesessen sind. Keine Möglichkeit eine Arbeit zu finden, die Kinder hatten keine Schulbildung, auch keine Möglichkeit dazu und ich hörte ein Konglomerat von Sprachen, verschiedene Lebenseinstellungen und Religionsunterschiede. Deutsch hat keiner geredet, warum auch?

Ich glaube nicht, dass es anders sein wird, wenn 750 Asylanten im Grätzel Atzgersdorf angesiedelt werden. Ein Teil will ohnehin weiterziehen, ein anderer Teil weiß, dass er keine Chance auf den Verbleib in Österreich hat und der Rest lebt im Ungewissen.

Man bemüht sich bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ist das aber genug? Der Samariterbund und die Johanniter werden rund um die Uhr Sozialbetreuer stellen. Ebenso werden private Sicherheitsfachleute und zeitweise Polizeieinheiten vor Ort sein. So die Aussage vom Bezirksvorsteher Gerald Bischof. Die Kosten bleiben natürlich am Steuerzahler hängen.

Auch in Floridsdorf und in Donaustadt ist ein wilder Asylstreit losgebrochen. Die Donaustädter Bezirksvorstehung, unter der Führung von Anton Mahdalik, startet mit einer Fülle von Anträgen und Anfragen (22. Februar). Das beginnt mit einer nächtlichen Ausgangssperre über gratis Selbstverteidigungskurse bis zur Bildung einer Bürgerwehr.

Am 23. Februar war eine Bürgerinfo in Floridsdorf geplant. Hier machen sich die Bürgerliste WIFF von Hansjörg Schimanek und die FPÖ um eine härtere Linie gegen die rot-grünen Asylpläne im 21. Bezirk stark. Unterstützt werden sie von der Mehrheit der dort ansässigen Menschen.

Wie auch immer alles ausgehen wird, die Zukunft sieht für die Wiener Bevölkerung nicht gerade rosig aus. Ich hoffe nur, dass es bei uns kein zweites Köln geben wird. Die schwarzafrikanische Rauschgiftgilde im 12. Bezirk ist ohnehin schon genug!

Ein Blick ins Gelände

So sehen die Gebäude aus

Impressionen aus der Ziedlergasse

Infotour: Barrierefreiheit am Vöcklabrucker Stadtplatz

Mit einer Informationstour über den Stadtplatz Vöcklabruck haben die Wirtschaftskammer und der OÖ Zivil-Invalidenverband vor kurzem den Unternehmerinnen und Unternehmern ein besonderes Service geboten. Seit Anfang 2016 ist es gesetzlich vorgesehen, dass alle Güter und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, somit auch Verbrauchergeschäfte, barrierefrei zugänglich sind. Dazu gehören natürlich auch die Geschäfte am historischen Stadtplatz.

Auf Initiative der Bezirksstelle Vöcklabruck der Wirtschaftskammer besuchte ein Team des OÖZIV sowie des Blinden- und Sehbehindertenverbandes im Jänner einige Geschäfte am Vöcklabrucker Stadtplatz, um Tipps zur Barrierefreiheit zu geben. Begleitet wurde diese Informationstour von Wirtschaftsstadtrat Mag. Maximilian Lötsch und Günther Hattinger von der Bauabteilung der Stadt Vöcklabruck. „Wir wissen, dass Barrierefreiheit gerade in historischen Gebäuden wir auf unserem Stadtplatz oft sehr schwierig umzusetzen ist“, erklärt der Bezirksstellenleiter der WKO, Josef Renner. „Darum war es uns wichtig, Hilfe und Tipps durch echte Profis vom Zivilinvalidenverband anzubieten.“

Nach der Infotour fiel ein erstes Resümee positiv aus: Grundsätzlich sind die Geschäfte und Lokale am Stadtplatz gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar; für Menschen mit Behinderung stehen mehrere Parkplätze sowie eine öffentliche Toilettenanlage zur Verfügung. Der Großteil der Gebäude am Vöcklabrucker Stadtplatz besteht aus historischem Baubestand; meist sind es eine oder zwei Stufen, die zu überwinden sind, um die Geschäfte zu betreten.

Kostengünstige Lösungen - große Wirkung

Hannes Wiesinger, Experte für Barrierefreies Bauen, zeigte den Gewerbetreibenden kostengünstige Lösungswege, um das eigene Geschäft barrierefrei zu gestalten. So können unter Berücksichtigung der Zumutbarkeit auch z.B. eine mobile Rampe aus geriffeltem Aluminium und eine Türklingel, Rollstuhlfahrern den Zugang zu einem Geschäft ermöglichen. Thomas Menrath, Mobilitätsprecher des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, gab hilfreiche Hinweise bezüglich Beleuchtung sowie kontrastreichen Glasflächenmarkierungen. Bei der Markierung von Glastüren und Stufen geht es darum, diese für Sehbehinderte sichtbar zu machen und das Verletzungsrisiko durch einen unvermittelten Anprall oder Stolpern zu verringern.

„Es ist erfreulich, dass in fast allen Betrieben eine aufgeschlossene Stimmung zur Barrierefreiheit vorherrscht und wir durch unsere Informationstour Zweifel oder Skepsis verringern konnten,“ so OÖZIV Landesobmann Dr. Gerhard Mayr abschließend.

© Katharina Gruber | OÖZIV

Auf Infotour zur Barrierefreiheit bei den Vöcklabrucker Stadtplatzgeschäften: Wirtschafts-Stadtrat Maximilian Lötsch, Roman Huemer-Erber, Thomas Menrath, Michael Leitner, Ing. Hannes Wiesinger und Josef Renner (v.l.n.r.)

 

2015-12-09: Theater Delphin - Heinz Gardavsky

Behinderte spielen Theater:
„Bloody Times“ im Theater Delphin

(von Heinz Gardavsky)

Am 9. Dezember 2015 durfte ich ein sehr interessantes Theaterstück miterleben. Im 6. Bezirk im „Theaterbrett“ in der Münzwardeingasse gaben Schauspieler zusammen mit Behinderten eine amüsante Aufführung zum Besten. Es war dies eine Fantasiegeschichte von Werwölfen und Vampiren, die in einer Schule ausgebildet werden. Es ging um Machtbedürfnisse und dem Kampf von Gut und Böse.

Prof. Dr.Dr. Heinrich von der Rolle als Rigel Flamond

 

Ich war sehr erstaunt über die Leistung aller. Besonders der Schulleiter Univ. Prof. Dr. Dr. Heinrich von der Rolle (Rigel Flamond), der erzählend durch das mehr als eineinhalb stündige Programm führte, beeindruckte mich sehr. Später las ich im Programmheft, dass der Halbkanadier bereits in seiner Volksschulzeit dem Theater nahestand und seitdem regelmäßig auf der Bühne sein Können zeigte.

 

Auch der im Rollstuhl sitzende Marcell Vala, der den Werwolf Mad spielte, war beeindruckend. Seine kräftige Stimme stand keinem der professionellen Schauspielern nach. Er ist bei Theater Delphin seit 2011 dabei und hat schon in mehreren Stücken mitgewirkt. Zuletzt 2014 in „Sophies Garten“.

 

Marcell Vala als Werwolf Mad

 

Negative Kritik kann ich eigentlich keinem von diesem Ensemble aussprechen. Es waren alles unterhaltsame Figuren, die mich und alle anderen Zuseher fortwährend zum Lachen brachten. Bis es am Ende kommt zum Friedenspakt kommt und das Gleichgewicht zwischen Vampir, Werwolf und Mensch ist wieder hergestellt wird.

Ein Bravo noch an Frau Gabriele Weber und Herrn Georg Wagner, die für Regie, Inszenierung und Produktionsleitung zuständig waren. Hoffentlich gibt es bald wieder so ein Projekt, das uns, wenn auch nur für kurz, das viele Leid unserer heutigen Zeit vergessen lässt.

 

 

Spanische Hofreitschule: Probleme mit Rollstuhlbenützern

Obmann Manfred Schweizer schreibt an die Direktorin der Spanischen Hofreitschule Frau Dkfm. Elisabeth Gürtler

Betreff.: Problem der Teilnahme an einer Führung als Rollstuhlfahrer

Sehr geehrte Frau Direktor!

Nachstehende Zeilen schreibe ich als Obmann des Verbands der Querschnittgelähmten Österreichs und als Betroffener.

Am heutigen Tag habe ich mich um 11:50 Uhr bei einem blonden Herrn im Kassabereich wegen einer Teilnahme an einer Führung als Rollstuhlfahrer in der Spanischen Hofreitschule erkundigt. Er meinte, dass dies, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich ist, da es Stufen gibt, die mit dem Rollstuhl nicht überwunden werden können.

Ich erklärte, dass es schon ein Erlebnis wäre, wenigstens die Stallungen besichtigen zu können. Ich bekam den Hinweis, dass eine deutschsprachige Führung um 16:00 Uhr sein wird.

Wir, meine Frau im Rollstuhl, ein verwandtes Ehepaar aus Ulm und ich, erschienen um 15:45 Uhr bei der Kassa - wiederum bei dem blonden jungen Herrn. In einer sehr höflichen Form erklärte er, dass er unser Anliegen besprechen müsse und verschwand in einem Raum hinter der Kassa. Er kam mit einer Dame zurück, welche mir klipp und klar erklärte ,"dass eine Teilnahme an einer Führung nicht möglich sei“.

Und dies im 21 . Jahrhundert: Ich hatte das Gefühl, als würde das Personal zum ersten Mal mit der Problematik eines Rollstuhlfahrers konfrontiert werden. Ich gestehe, dass mein Ton etwas heftiger wurde. Nach neuerlicher Beratung der im Umfeld der Kassa tätigen Personen wurde eine absolut zufriedenstellende Lösung gefunden.

Meine Frau konnte den Einführungsvortrag problemlos mitverfolgen, wobei es vielleicht günstig wäre, einen Rollstuhlfahrer nicht bei den drei Stiegen, sondern in der letzten Reihe der unteren Logen wegen der Akustik zu platzieren.

Anschließend wurde sie freundlich zu den Stallungen begleitet, um dort auf die Führungsteilnehmer zu warten. Warum diese Lösung nicht von den Bediensteten selbstverständlich vorgeschlagen wurde und es erst zu einer unerquicklichen Diskussion kommen musste, bleibt ein Rätsel.

Schlussfolgerung: Das Personal müsste unterrichtet werden, wie man mit einem Gast im Rollstuhl umgeht und somit der Besuch ein positives Erlebnis wird.

In der Hoffnung, eine zweckdienliche Anregung gemacht zu haben, verbleibe ich

hochachtungsvoll

Manfred Schweizer, Obmann


Wenig später erhielten wir nachfolgenden Antwortbrief von Frau Gürtler:

 

Sehr geehrter Herr Schweizer!

Am Wochenende habe ich Ihr Schreiben vorgefunden, in dem Sie mir über das Problem bei der Teilnahme einer Führung in der Spanischen Hofreitschule als Rollstuhlfahrer berichten. Es tut mir sehr sehr leid, dass es sich vorab als problematisch herausgestellt hat, bei uns eine Führung mitzuerleben.

Prinzipiell versuchen wir all unsere Angebote behindertengerecht zu gestalten, wobei es sicher unser Fehler ist, dass dies nicht allen im Kundenkontakt Tätigen richtig kommuniziert ist. Wir haben sehr viele Teilzeitkräfte und Aushilfskräfte, weshalb es zu dieser unglücklichen Situation gekommen ist.

Seine Sie aber versichert, dass Ihr Schreiben zum Anlass genommen wird, unsere interne Kommunikation perfekter zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dkfm. Elisabeth Gürtler
Generaldirektorin

Schicksal des 16-jährigen Alis

Die Fernsehzeitschrift "tvmedia" enthält in der Ausgabe Nr. 51/2015 eine Beilage mit dem Titel "tvmedia Family"

Darin gibt es einen Artikel von Frau Ilse Königstetter zum Thema Flüchtlinge und Integration. Ein Textteil ist dem irakischen Flüchtling Ali und seinem schweren Schicksal gewidmet. Diesen Teil wollen wir hier abdrucken:

 

Wie man trotz eines besonders schwierigen Schicksals mit entsprechender Unterstützung neuen Lebensmut fassen kann, zeigt sich eindrucksvoll an Ali (16) aus dem Irak. Als er sich mit seinen Freunden in einem Cafe in Bagdad treffen wollte, detonierte knapp neben ihm eine Bombe. Er verlor beide Beine und war lebensgefährlich verletzt.

Nachdem er sich notdürftig erholt hatte, floh seine Mutter mit ihm im November des Vorjahres nach Österreich. Während Ali im Rehabilitationszentrum Weißer Hof der AUVA in Klosterneuburg aufgenommen wurde, war seine Mutter in Traiskirchen untergebracht. Dank der Initiative "Klosterneuburg hilft" sind Mutter und Sohn jetzt wieder zusammen und bewohnen eine kleine Wohnung. Im Zuge seiner Rehabilitation lernte Ali den Sportlehrer Andreas Zankl kennen, der unter anderem auch die Sitting Bulls, eine Rollstuhl-Basketballmannschaft aus Klosterneuburg betreut, und trainiert seitdem begeistert mit. "Ich möchte professioneller Basketballspieler werden", ist Alis erklärtes Ziel. Auch besser Deutsch zu lernen und seinen Schulabschluss zu machen, steht ganz oben auf seiner To-do-Liste.

So behände sich Ali in seinem Rollstuhl bewegt, sollte er dennoch üben, auch mit seinen Prothesen zu gehen. "Da muss man ihn schon manchmal zu etwas mehr Disziplin ermuntern", kennt Sportlehrer Zankl die kleinen Schwächen seines Schützlings.

Disziplin wird er ohnehin auch brauchen, wenn er ein Basketball-Champion werden will. Da werden auch für Sportler mit Handicaps keine Ausnahmen gemacht.

November 2015 - Spende statt Kranz - Mag. Wolgang Glaser

 

Bei der Beerdigung unseres Vorstandsmitgliedes Gernot Egger beschloss der VQÖ in Absprache mit dem Neffen des
Verstorbenen Mike Glück anstelle eines Kranzes für ein Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung von assista in Steyr
einen Betrag von € 150,- zu spenden.

Bild rechts:
Mag. Wolfgang Glaser übergibt die Spende an den Interessenvertreter des Wohnprojektes Achim Rohr.

 

Gernot Egger verstarb am 20. September 2015 im 75. Lebensjahr.
Er war nach einem Bergunfall im Jahr 1955 querschnittgelähmt, trat 1960 unserem Verband bei.

Viele Jahre war er als Sportler erfolgreich - neben seiner beruflichen Tätigkeit.

In den letzten Jahrzehnten war er Obmannstellvertreter, bis zuletzt sorgte er durch seinen unermüdlichen Einsatz bei Inseraten unserer Verbandszeitschrift für eine solide finanzielle Basis des Verbandes.

 

2015-11-04 - Ein neuer Lift für Bim-Station im 23. Bezirk - Heinz Gardavsky

Die Wiener Linien planen eine Umgestaltung der Station der Straßenbahnlinie 60 in der Breitenfurter Straße. Bisher musste man, um das Wartehäuschen zu erreichen 45 Stufen überwinden. Für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen oder Mütter mit Kinderwagen ein schier unmögliches Unterfangen.

Geplant ist ein Lift auf der Seite des Bahnsteiges in Richtung Rodaun. Auch soll die Haltestelle modernisiert werden und die Entfernung zur nächsten Straßenbahn auf Monitoren in Minuten angezeigt. All jene, die die in Richtung Hietzing fahren wollen können dank einer neuen Gleis-Querung von einem Bahnsteig zum anderen wechseln.

Während der Bauarbeiten bleibt die Haltestelle in Betrieb. Die Arbeiten sollen bis Sommer 2016 abgeschlossen sein.

20.10.2015 - Rollstuhlgerechtes Restaurant Cilli - Ulrike Prager

(von Ulrike Prager)

 

Ulrike Prager hat das Lokal schon vor einiger Zeit entdeckt und immer wieder besucht, um dort mit einigen Rollstuhlfahrern zu essen.

Das einzige Problem – zu den Toiletten gab es Stufen. Nun hat sich die Chefin des Cafe Restaurant Cilli in 2620 Neunkirchen, Rohrbacherstrasse 3 A (Tel. 02635 / 63168) entschlossen, ein Behinderten WC zu machen.


Über den Parkplatz daneben ist im Sommer auch das Eisgeschäft Freeze, 2620 Neunkirchen, Gustav-Dittrichstrasse 4 erreichbar. Hier gibt es eine Rampe für Rollifahrer.

Beide Lokaleingänge sind stufenlos, außerdem gibt es noch 2 Behindertenparkplätze. Beide Lokale haben ein ausgezeichnetes Angebot an Köstlichkeiten.

Die Bedienung ist freundlich, das Ambiente gut, das Essen ist reichlich, die Preise sind günstig. Es ist vorbildlich, dass die Besitzer eines kleinen Lokales es aus Eigeninitiative möglich machen, dass Behinderte so problemlos in Neunkirchen das „normale Leben“ mitleben können.

Hier gibt es weitere Informationen: Restaurant Cilli bei Facebook

24.08.2015 - Wartezeiten bei Antrag auf Behindertenpass - ORF-Sendung "heute konkret"

Heute konkret sendete am 24.8.2015 einen Bericht von Andrea Ferstel zum Thema "Lange Wartezeiten bei Antrag auf Behindertenpass"

Die Sendung berichtete über Gottfried Topf, der an Muskelatrophie leidet. Über den Behindertenpass, um den er im Februar 2015 angesucht hat, meint er: "Ich glaube, bei unserer Bürokratie muss man als gesunder Mensch ansuchen, damit man ihn hat, wenn man krank ist." Herr Topf schreibt per Mail, dass er genau ein halbes Jahr nach dem Antrag seinen Ausweis erhalten habe.

Das Sozialministeriumservice erklärt, dass exakte Prüfungen Zeit brauchen würden und die Gutachter in manchen Regionen extrem ausgelastet seien. Dr. Günther Schuster vom Sozialministerium: "Das geht schneller. Es tut uns leid, dass es so lange gedauert hat. Es ist allerdings so, dass im Vorjahr ungefähr 38.000 Verfahren abgewickelt wurden, heuer werden es 45.000 sein." Durch die neue Rechtslage ab 1. Jänner 2014 haben mehr Personen Anspruch..

Fr. Dr. Julia Jungwirth vom ÖZIV erzählt, dass das leider kein Einzelfall ist. Betroffene klagen immer wieder über lange Verfahrensdauer. Sechs Monate ist die Maximaldauer des Wartens. Manche Antragsteller müssten aber auch ein Jahr warten.


In diesem Zusammenhang ersuchen ÖZIV und VQÖ unsere Mitglieder und Homepagebesucher, über ihre Erfahrungen zu berichten.

  • Welche Erfahrungen haben unsere Mitglieder mit Antragstellungen betreffend Behindertenpass gemacht?

  • Gab es lange Wartezeiten beim Verfahren?

  • War der Umgang mit Ihnen als Antragsteller von Respekt getragen oder eher respektlos?

Teilen Sie uns Ihre Meinung dazu mit!

Sie erreichen uns per Mail an Obmann Manfred Schweizer mm.schweizer@aon.at
oder per Fax 01/6168678
oder per Post an Verband der Querschnittgelähmten Österreichs, 1100 Wien, Sahulkastraße 3/9/R10

30.07.2015 - Barrierefreie Arztpraxis in Mondsee - Oberösterreichischer Zivilinvalidenverband

Die Ausgabe 2/2015 des Oberösterreichischen Zivilinvalidenverbandes enthält nachfolgenden Artikel, den wir mit freundlicher Genehmigung des OÖZIV abdrucken:

Barrierefreie Arztpraxis in Mondsee

Anfang April führte Ing. Hannes Wiesinger eine Begehung der Praxis von Dr. Georg Frauscher in Mondsee durch. Der Internist und Kardiologe ging bei seiner Praxisneueröffnung mit viel Motivation an das Thema Barrierefreiheit heran. Die Räumlichkeiten sind hell, geräumig und gut durchdacht eingerichtet. Die Praxis von Dr. Frauscher befindet sich in Mondsee, Walter-Simmer-Str. 1a, im 1. Stock über der Mondseeland Apotheke (gleich neben dem Hagebaumarkt bzw. hinter der BWT-"Best Water Technology").

Der Wahlarzt hat bei der Planung viele Aspekte der Barrierefreiheit mit berücksichtigt; die Optimierungsvorschläge von Ing. Wiesinger wurden mit Interesse aufgenommen.

Zwei weitere Pluspunkte der Praxis sind die Lage an der Autobahnabfahrt Mondsee und dass sie sich direkt über einer – ebenfalls barrierefreien – Apotheke mit Drive-in-Schalter befindet. Dadurch werden die Wege für Menschen mit und ohne Behinderung vereinfacht und abgekürzt.

Wir begrüßen es sehr, dass Dr. Frauscher mit einem so positiven Beispiel vorangeht und hoffen, dass diesem möglichst viele Ärztinnen und Ärzte folgen werden.

(Entnommen aus OÖ Zivil-Invalidenverband 2/15)

Dr. Georg Markus Frauscher (links) und Ing. Hannes Wiesinger, Vorstandsmitglied des VQÖ
19.08.2014 - Barrieren in Steyrer Bussen - Mag. Wolfgang Glaser

Seit Anfang April 2014 ergänzen vier neue MAN Midi-Busse die Busflotte der Stadtbetriebe Steyr.

Sie ersetzen die bereits 15 Jahre alten Busse, die auf den engen Straßen der Linien 3a, 4, 5, 6, 7 und 8 eingesetzt werden. Stolz verlautbaren die Stadtbetriebe Steyr auf ihrer Homepage: "Die neuen Busse sind behindertengerecht ausgestattet und auf dem neuesten Stand der Technik".

"Es gibt überhaupt keinen Grund auf diese Investition stolz zu sein", meint Mag. Wolfgang Glaser vom Verband der Querschnittgelähmten Österreichs. "Es handelt sich zwar bei den neuen Bussen um Niederflurbusse mit einem Rollstuhlplatz, doch der Großteil der Sitzplätze ist nur durch mehrere Stufen erreichbar", kritisiert Glaser, der selbst Rollstuhlfahrer ist. Bei einer Testfahrt, die Wolfgang Glaser gemeinsam mit Wilfried Plank vom Zivilinvalidenverband, der sich mit Krücken fortbewegt, durchgeführt hat, stellte sich heraus, dass die neuen Busse nur 4 Sitzplätze bieten, die barrierefrei zugänglich sind und bei 2 von diesen 4 Sitzplätzen ist kaum Fußfreiheit gegeben.

Wer ganz hinten im Bus Platz nehmen möchte und die Überwindung der Stufen auf sich nimmt, muss zusätzlich noch aufpassen, sich am Dach des Busses nicht den Kopf anzustoßen. Die neuen Busse bieten auch nur Platz für einen Rollstuhl oder nur einen Kinderwagen. Wenn man mit mehr als zwei Kinderwägen oder Rollstühlen einen Bus benutzen möchte, ist das nicht möglich.

"Es ist mir völlig unverständlich, dass in der heutigen Zeit überhaupt noch Linienbusse angekauft werden, deren Sitzplätze größtenteils nur über Stufen erreichbar sind", kritisiert Glaser. "Inzwischen wurden an mich schon von vielen älteren und behinderten Menschen wegen der neuen Busse Beschwerden an mich herangetragen. Die neuen Busse sind mit Sicherheit nicht im Sinne jener Fahrgäste, die gehbeeinträchtigt sind oder mit einem Kinderwagen unterwegs sind und dabei handelt es sich um keine Minderheit", meint Glaser. "Bei derartigen Investitionen muss es doch möglich sein, dass auf die Barrierefreiheit höchsten Wert gelegt wird und wenn diese Busse auf dem neuesten Stand der Technik sind, wie behauptet wird, so sollte sich die Technik an die Bedürfnisse der Fahrgäste anpassen und nicht umgekehrt!" so Glaser.

Bushaltestelle bei Krankenkasse auch nicht barrierefrei

Bei der Testfahrt fiel auch noch auf, dass die Bushaltestelle bei der Gebietskrankenkasse nicht barrierefrei ist. "An dieser Haltestelle gibt es nicht einmal einen Bussteig, was dazu führt, dass auch beim Einsatz einer Rampe, den man im Bus ausklappen kann, der Niveauunterschied für einen barrierefreien Ein- und Ausstieg zu hoch ist! Dabei ist gerade bei dieser Haltestelle damit zu rechnen, dass oft mobilitätseingeschränkte Menschen hier ein- und aussteigen müssen", kritisiert Glaser.

19.08.2014 - Barrierefreie Bahnhöfe und Haltestellen - Redaktion KOBV

 

BahnhofUm das Reisen auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkung angenehm, stress- und barrierefrei zu gestalten, setzen die ÖBB eine Fülle an Verbesserungen um. Damit der laufende Abbau jener Barrieren, mit denen mobilitätseingeschränkte Menschen konfrontiert sind und die Verbesserungen so praxisnahe wie möglich erfolgen, werden die Resultate jedes Arbeitsabschnittes mit Vertretern der mobilitätseingeschränkten Menschen evaluiert. Dadurch können im Bedarfsfall zielgruppenrelevante Korrekturen vorgenommen werden. Für die optimale Abstimmung der Maßnahmen untereinander sorgt die in der ÖBB-Holding eingerichtete "Konzernkoordination Barrierefreiheit". Auch in der ÖBB-Personenverkehr AG gibt es einen eigenen Koordinator für "Barrierefreiheit". Viele Maßnahmen werden im laufenden Betriebsgeschehen umgesetzt:

  • Reisecenter und Shops sollen stufenfrei erreichbar sein
  • Spezielle Schulungsmaßnahmen für Zugbegleiter und Mitarbeiter auf den Bahnhöfen
  • Handläufe mit taktilen Elementen
  • Barrierefreie Liftanlagen inkl. taktilen Elementen und Sprachansagen
  • Technische Hilfsmittel an Bahnhöfen (z.B. Hebelifte)
  • Einsatz optimaler Licht- und Farbkonzepte für ein subjektives Sicherheitsempfinden
  • Fahrpreisermäßigungen
  • Adaptierung der Züge für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen
  • Fahrkartenautomaten werden herabgesetzt, damit sie für Rollstuhlfahrer leichter zugänglich sind.

Bis 2015 sollen Bahnhöfe mit mehr als 2.000 Reisenden pro Tag sowie die wichtigsten Bahnhöfe in Bezirksstädten barrierefrei umgebaut werden (Einbau von Liften, Anhebung der Bahnsteigkanten, Blindenleitsystem). Insgesamt sind bereits ca.200 Hebelifte auf den großen Bahnhöfen im Einsatz. Auf zentralen Umsteigeknoten erleichtern Bahnrollstühle das Umsteigen. Barrierefrei umgestaltete Bahnhöfe sind z.B. Wien Praterstern, Heiligenstadt (denkmalgeschützter Bau, barrierefrei modernisiert), Baden, Wiener Neustadt, Linz Hauptbahnhof, Graz Hauptbahnhof, Klagenfurt Hauptbahnhof, Innsbruck Hauptbahnhof, Feldkirch, Dornbirn.

Barrierefreier Premiumzug railjet jetzt auch nach Süden

Seit 15. Juli ist die Umstellung der bestehenden ÖBB InterCity-Verbindungen auf railjet- Verbindungen in den Süden Österreichs beendet.

ZugabteilDie railjet-Flotte ist auf der Süd- und Westbahnstrecke im Einsatz und bietet den Kunden Reisen auf höchstem Niveau. Schnelligkeit, Komfort, Design, Umweltfreundlichkeit und Barrierefreiheit zeichnen den ÖBB-railjet aus. Der 205 Meter lange Zug ist 330 Tonnen schwer und bietet 408 Sitzplätze - 16 in der Business Class, 76 in der First Class und 316 in der Economy Class. Auf der Südbahnstrecke werden insgesamt 11 Garnituren mit 77 Waggons zum Einsatz kommen.Im railjet setzen die ÖBB erstmals im europäischen Zugverkehr seit dem Fahrplanwechsel 2008/09 eine komplett neu entwickelte Technik ein: Zum ersten Mal in einem Fernverkehrsfahrzeug gibt es für Kunden im Rollstuhl einen fahrzeuggebundenen Hebelift. In jeder Garnitur sind drei Plätze für Rollstühle reserviert: Auch Steckdosen zum Laden für Rollstuhlbatterien sind vorhanden.

Für sehbehinderte Reisende sind taktile Elemente vorhanden und für Blindenführhunde sind eigene Plätze vorgesehen. Eine barrierefreie Toilette, ein Serviceruf und "Am-Platz-Service" sind selbstverständlich.

Barrierefreies Reisen im Fernverkehr

In vielen nationalen und internationalen Zügen des Fernverkehrs setzen die ÖBB Wagen ein, die besonders für Personen mit Rollstuhl geeignet sind. Sie verfügen über ein barrierefreies WC und sind in unseren Fahrplänen mit einem Rollstuhlsymbol und mit dem Hinweis "mit Rollstuhlstellplatz" bzw. "mit rollstuhltauglichem WC" gekennzeichnet. Auch der Einstiegsbereich ist ebenfalls mit einem gut sichtbaren Rollstuhlsymbol versehen.
Je nach Wagengattung können mehrere Rollstuhlstellplätze inklusive jeweils einen Sitzplatz für eine Begleitperson kostenlos reserviert werden. In manchen Zügen befinden sich die Rollstuhlplätze in der 1. Klasse. Dann reisen Passagiere mit Rollstuhl und ihre Begleitperson natürlich auch mit Tickets der 2. Klasse. Der "Am-Platz-Service" von Speisen und Getränken wird ebenfalls angeboten.

Im Multifunktionswagen (MFW) wurde ein neues Konzept für Kunden im Rollstuhl umgesetzt. Damit ist es erstmals für Reisende im Rollstuhl mit einer Begleitperson möglich bequem in einem Liegewagenabteil in den ÖBB Nachtzügen zu vereisen. Im Fernverkehr ist jeder dritte Zug barrierefrei zugänglich. Das sind ca. 100 Züge täglich in Österreich.

Barrierefreies Reisen im Nahverkehr

Die neue Niederflur-Nahverkehrsflotte der Serie "Talent" ist mit einer fahrzeuggebundenen Rampe ausgestattet. Züge der Serie "Desiro" wurden mit einer mobilen Rampe bestückt, welches das Ein- und Aussteigen für Reisende im Rollstuhl bei entsprechender Bahnhofausstattung ermöglicht. Bei Bedarf hilft auch das ÖBB-Triebfahrzeugpersonal. Die Eingänge zu den Rollstuhlplätzen sind mit Rollstuhlsymbolen gekennzeichnet. Das optische und akustische Fahrgastinformationssystem informiert über den nächsten Halt des Zuges. Insgesamt kommen 188 Talent und 60 Desiro bundesweit zum Einsatz.

Vorzüge der neuen Talent und Desiro Zuggarnituren:

  • neues Design
  • niedriger bzw. ebener Einstieg.
  • kontrastreiche Griffstangenkennzeichnung (für sehschwache Reisende)
  • Notsprechstellen (als Ausstiegshilfe für Personen mit Rollstuhl)
  • SOS-Taste im behindertengerechten WC
  • Klimaanlage
  • optische und akustische Fahrgastinformation
  • Brandmeldeanlage

Doppelstockwagen bieten bei hohen Bahnsteigen (550mm über Schienenoberkante) einen niveaugleichen Zugang. Mit dem Einbau einer fahrzeuggebundenen Rampe und einem barrierefreien WC setzt die ÖBB-Personenverkehr AG einen wichtigen Schritt für die Barrierefreiheit im Nahverkehr. In den Wendezuggarnituren "CityShuttle" befindet sich im Steuerwagen ein Mehrzweckabteil für Passagiere mit Rollstuhl.

Da es sich dabei um ein Hochflurfahrzeug handelt ist eine Anmeldung für Hilfestellungen mit dem Hebelifterforderlich. Im Nahverkehr fahren täglich rund 3.900 Züge in ganz Österreich, davon ist jeder zweite barrierefrei zugänglich.

Postbus

Mehr als die Hälfte der Postbus-Flotte ist bereits barrierefrei. Seit Ende 1999 wurden alle neu beschafften Niederflurfahrzeuge mit mechanischer Klapprampe erworben. Die Ausstattung eines Sitzplatzes für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste mit breiterer Sitzfläche, mehr Platz im Fußbereich für z. B. Blindenführhund, Krücken, Prothesen, usw. gehört bereits zum Standard.

Anmerkung der Redaktion:
Die Inhalte dieses Artikels spiegeln nicht die Meinung der Redaktion. Dass beispielsweise bis 2015 nur Bahnhöfe mit über 2.000 Fahrgästen täglich barrierefrei gemacht werden, entspricht in keinster Weise den Bedürfnissen von Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, was zu der absurden Situation führt, dass Bahnhöfe wie z.B. in St. Peter/Niederösterreich zwar mit viel Geld modernisiert und umgebaut werden, aber nach dem Umbau nicht mehr barrierefrei zugänglich sind, weil keine Aufzüge zu den Bahnsteigen gebaut werden.

 


 

18.08.2014 - Bahnhof St. Peter barrierefrei - Mag. Wolfgang Glaser

Eine mehrjährige Auseinandersetzung über Barrierefreiheit am Bahnhof St. Peter (NÖ) hat nun doch ein Happy-End gefunden. Bei der Erneuerung des Bahnhofs St. Peter (Niederösterreich) weigerte sich die ÖBB bislang, für einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen durch Aufzüge zu sorgen, weil laut Etappenplan der ÖBB dies bis 2015 nur für Bahnhöfe vorgesehen sei, bei denen täglich mindestens 2.000 Fahrgäste ein- oder aussteigen.

Lange Zeit sah es so aus, als wäre der neue Bahnhof für Radfahrer, Eltern mit Kindern und Rollstuhlfahrer praktisch unerreichbar. Bereits 2011 wies der Rollstuhlfahrer Christian Krendl, der aus beruflichen Gründen täglich mit der ÖBB zwischen St. Peter und Linz pendelt, darauf hin, dass er nach dem geplanten Umbau des Bahnhofs St. Peter den Bahnsteig nicht mehr erreichen könne. (Bizeps berichtete darüber am 11. November 2011 im Artikel "ÖBB schaffen Barrieren statt sie zu beseitigen").

Ein Schlichtungsverfahren zwischen Herrn Krendl und der ÖBB brachte auch keine Lösung. Deshalb wandte sich Herr Krendl mit der Angelegenheit an die Volksanwaltschaft. Anstatt sich für Barrierefreiheit am Bahnhof St. Peter einzusetzen, antwortet jedoch der Volksanwalt Dr. Kostelka in einem Schreiben vom 13. Juni 2012 lediglich: "…Das Bundes- Behindertengesetz geht bei seinen Vorgaben davon aus, dass die Beseitigung der Barrieren keine unverhältnismäßige wirtschaftliche Belastung darstellen soll. Aus diesem Grunde werden für den Umbau von Bahnhöfen und Haltestellen drei Kriterien vorgegeben, die zur prioritären Behandlung wahlweise erfüllt werden müssen.

  • Bei Bahnhöfen und Haltestellen, die von einer niedrigen Anzahl an Personen frequentiert werden (entspricht einer maximalen Anzahl von Benützern der Verkehrsstation von weniger als 2.000 Personen pro Tag),
  • nicht in Landeshaupt- und Bezirkshauptstätten liegen und
  • keinen Umsteigeknoten auf Hochleistungsstrecken entsprechen,

wird bei jetzigem Stand der Technik die Herstellung völliger Barrierefreiheit jedenfalls unzumutbar sein, wenn sie einen bloß geringfügigen Aufwand überschreitet. Ich verstehe natürlich, dass Sie persönlich darüber verärgert sind, dass zurzeit kein Umbau des Bahnhofes St. Peter/Seitenstetten geplant ist.

Diesbezüglich ersuche ich Sie aber zu berücksichtigen, dass die Volksanwaltschaft im Rahmen ihrer Kontrolltätigkeit auf die rechtmäßige Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben durch die Behörden zu achten hat. Weiter gilt es, zu berücksichtigen, dass die ÖBB Infrastruktur AG ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen ist, und somit grundsätzlich nicht unter die Prüfzuständigkeit der Volksanwaltschaft fällt."

In den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) vom 2. Juli konnte man lesen, dass nun endlich eine Lösung der Finanzierung für die Barrierefreiheit am Bahnhof St. Peter gefunden wurde. Zu verdanken ist dies dem Engagement des zweiten Landtagspräsidenten Johann Heuras, der gegenüber den NÖN meinte: "Nach einigen Klagen von Personen, die die Barrierefreiheit dringend benötigen, dachten wir uns: wenn wir schon viel Geld in den Umbau investieren, warum dann nicht auch gleich barrierefrei gestalten?" Zusammen mit den Gemeinden St. Peter/Au, Wolfsbach, Ertl und Seitenstetten startete Heuras intensive Verhandlungen mit der ÖBB, betreffend die Finanzierung von zwei Personenaufzügen zu den Bahnsteigen. Einer der Aufzüge wird von den ÖBB finanziert, an den Kosten für den zweiten beteiligen sich die Gemeinden mit rund 50.000 Euro. Für die jährlichen Erhaltungskosten von 4.000 Euro kommen die Gemeinden St. Peter/Au, Seitenstetten, Ertl und Wolfsbach auf.

Rund vier Millionen Euro steuert das Land Niederösterreich insgesamt zur Bahnhofsund Streckensanierung bei St. Peter bei.