Reiten ohne Barrieren

(von Welcker Brigitte)

Ich reite seit meinem 3. Lebensjahr und habe seit meinem 17. Geburtstag immer eigene Pferde besessen (Englisches Vollblut, Fjord, Gidran [ungarischer Anglo-Araber], Noniusz, ungarisches Halbblut aus Kisbér). Gelernt habe ich in Deutschland in Halle und Reitbahn, doch seit ich Pferdebesitzerin geworden war, bin ich nur in der Natur, sei es in Deutschland, Frankreich oder Ungarn, – und meistens alleine – ausgeritten oder habe an Distanzwettbewerben teilgenommen.

Nachdem im Februar 2010 nach 20 gemeinsam verbrachten Jahren meine Vollblutstute Sissi in Ungarn gestorben ist, wollte ich mich im Sommer nach einem Fohlen für mich umschauen – doch es kam anders: am 2. Juli 2010 wachte ich plötzlich gelähmt auf, die Ursache ist bis heute nicht bekannt.

Aber schon nach 2 Monaten saß ich wieder im Sattel (jetzt allerdings einem Westernsattel) des Pferdes eines Bekannten und bin alleine stundenlang in den Auen um den Reitstall herum ausgeritten und das in allen drei Gangarten.

Da es dort keine Halle gibt und ich sowieso mein Leben in Ost-Österreich fortsetzen wollte, habe ich im Internet gesucht und das Reit- und Therapiezentrum von Frau Gabriele Orac in Kottingbrunn gefunden. Nach einem kurzen Telefonat haben wir uns dort zu einem ausführlichen Gespräch getroffen, und nachdem ich erfahren hatte, dass ein Sommerfest geplant war, habe ich vorgeschlagen, eine Show-Nummer zu Musik aus dem Musical Elisabeth in einem von mir hergestellten Kostüm und einer von mir ausgearbeiteten Kür vorzustellen. Frau Orac war so freundlich, mir ihre Fjordstute SISSY zur Verfügung zu stellen, nach einer Probe konnte ich dann am 1. Jahrestag meiner Lähmung, dem 2.7.2011, im Reit- und Therapiezentrum meine Nummer mit viel Erfolg vorstellen.

Da ich nun fest in Österreich ansässig bin, und ohne Pferde nicht leben kann, werde ich mich kommendes Frühjahr nach einem neuen Pferd umsehen, mit welchem ich dann auch meinem Traum von professionellen Show-Programmen und Pferdetheater um einen Schritt näherkommen werde.


Zur Information: Mein inkompletter Querschnitt (oder was auch immer) erlaubt mir, meine Hüfte einzusetzen und so leichter vom Rollstuhl in den Sattel gelangen zu können, da ich mich kurz aufrecht und am Sattelknauf halten kann, bis man mein rechtes Bein auf die andere Seite bekommt, absteigen (abrutschen) kann ich alleine.

Aber natürlich kann auch ein kompletter Paraplegiker oder eine Person mit einem anderen Handicap mit adäquater Ausrüstung und Hilfe reiten, sei es therapiemäßig, zum Hobby oder als Leistungssport.

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