ORF-Greinecker-Preis für Zivilcourage 2011

(von Fritz Gardavsky)

Am 14. Juni 2011 wurde auch heuer wieder der 1985 gegründete "ORF-Greinecker-Preis für Zivilcourage" an drei Persönlichkeiten vergeben. Für ihr zivilgesellschaftliches Engagement wurden geehrt:

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz übermittelte seine Glückwünsche und betonte: "Als Rundfunk der Gesellschaft ist der ORF auch Fürsprecher und Motor einer starken Zivilgesellschaft, die für Schwächere eintritt und integrativ wirkt. Deshalb ist die Auszeichnung von gesellschaftsverbindenden Projekten mit dem 'Greinecker-Preis für Zivilcourage' dem ORF ein großes Anliegen und zeigt, dass der ORF auch über seine Programme hinaus für soziales Engagement einsteht und damit klaren Mehrwert liefert. Ich gratuliere der Preisträgerin und den Preisträgern zu ihren nun ausgezeichneten unschätzbaren Leistungen an der Gemeinschaft und garantiere, dass der ORF auch weiterhin ein verlässlicher Partner für gelebte Solidarität bleibt."

Wir freuen uns, dass nach der Ehrung für Frau Klaudia Karoliny im Vorjahr auch heuer wieder mit Mag. Manfred Fischer ein Mitglied unseres Verbandes durch diese Ehrung ausgezeichnet wurde.

Verleihung des ORF-Greinecker-Preises
von links nach rechts: Publikumsrat Professor Gerhard Tötschinger, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting Sissy Mayerhoffer, Mag. Manfred Fischer, der stellvertretende Leiter der ORF-Rechtsabteilung Dr. Josef Lusser, Hilfswerk-Austria-International-Geschäftsführerin Dr. Heidi Burkhart, Pfarrer Mag. Hermann Glettler



Manfred Fischer - Mitten im Leben und nicht daneben

Mag. Manfred Fischer lebt heute als freier Journalist mit seiner Frau und den beiden Söhnen im oberösterreichischen Innviertel. Er kennt das Leben aus der sitzenden wie aus der stehenden Perspektive, denn aufgrund einer schleichenden neurologischen Erkrankung benutzt er seit 2001 einen Rollstuhl, der seine Mobilität gewährleistet. Da Sprache nicht nur Bilder erzeugt, sondern auch Haltungen und Sichtweisen transportiert und beeinflusst, setzt sich Fischer seit Jahren für einen nicht diskriminierenden Gebrauch der Sprache ein und ist auch aktiv in der österreichischen Behindertenbewegung, dem "Österreichischen Zivil-Invalidenverband" (ÖZIV).

Fischer: "Behinderte Menschen wissen ganz genau, was sie wollen und was sie brauchen. Mir geht es darum, dass das auch in den Medien so dargestellt wird." Laudator Gerhard Tötschinger erinnerte ebenfalls daran, "dass gut gemeint nicht immer gut getan ist" und dass im Umgang mit Menschen mit Behinderung respektvolles Verhalten und nicht aufgezwungene Hilfeleistung gefordert sei. Tötschinger: "Manfred Fischer erhält den 'ORF-Greinecker-Preis für Zivilcourage' nicht als Aktivist, sondern als Journalist, der sehr aktiv ist. Und das ist gut so. Für den Journalismus, für Menschen mit und Menschen ohne Behinderung."

"Die wirkliche Auszeichnung besteht in der Würdigung des gesellschaftlichen Engagements, die dieser Preis ausdrücken soll", sagte Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting, die gemeinsam mit ORF-Stiftungs- und -Publikumsrat Professor Gerhard Tötschinger und dem stellvertretenden Leiter der ORF-Rechtsabteilung, Dr. Josef Lusser die diesjährigen Ehrungen im ORF-Zentrum vornahm.



Zur Person von Mag. Manfred Fischer

Über seine Behinderung sagt Manfred Fischer:

Vor etwa 20 Jahren (1991) begann sich mein Gangbild aufgrund einer neurologischen Erkrankung des Rückenmarks zu verschlechtern. Ich konnte meine Beine immer weniger kontrolliert bewegen. Seit Ende 2001 benütze ich zur Fortbewegung einen Rollstuhl. Der Rolli und ein adaptiertes Auto brachten mir in der Folge meine selbstständige Mobilität zurück. Es war nun wieder leichter mit der Familie oder Freunden unterwegs zu sein – egal ob im Urlaub, in Museen oder sonst wo.

Die Überschrift zur ORF-Laudatio drückt meine Lebenseinstellung gut aus - Mitten im Leben und nicht daneben. So sehe ich auch das Leben behinderter Menschen in unserer Gesellschaft. Es soll ihnen ermöglicht werden, mitten im Leben einer inklusiven Gesellschaft zu stehen. Sie sollen nicht an den Rand gedrängt werden - nicht in Behindertenheime und Sonderschulen abgeschoben werden.

Im Österreichischen. Zivil-Invalidenverband (ÖZIV) engagiere ich mich für die Anliegen behinderter Menschen. U.a. für den richtigen Sprachgebrauch beim Berichten über behinderte Menschen.

Ein Gräuel ist mir z.B. der Ausdruck, dass jemand "an den Rollstuhl gefesselt" ist. Denn: Die Verwendung eines Rollis ermöglicht es behinderten Menschen wieder selbstständig mobil zu sein. Er ermöglicht damit auch mehr Selbstbestimmung im eigenen Leben.



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