Die Geschichte des Rollstuhls

(von Heinz Gardavsky)

Spitäler haben ihn, Gelähmte brauchen ihn und alle kennen ihn, den Rollstuhl. Interessanterweise ist er in den Lexika der DDR vor der Wende genauso wenig zu finden wie das Wort Liebe.

Den ersten Nachweis eines Rollstuhls findet man um etwa 1300 vor Christus bei den Chinesen, deren Kultur nachweislich schon damals hoch entwickelt war.

1420 wird erstmals von einer Art Rollstuhl aus Padua in Italien berichtet. Es war eine Konstruktion, in der jemand sitzen konnte und mittels einer Seilwinde das Gefährt zum Fahren brachte. Giovanni Fontanas Skizze zeigt eine Dame in einem Fahrkorb, welche an Seilen zieht, um die Räder in Schwung zu bringen.

König Philipp II. von Spanien hatte bereits 1595 einen Rollstuhl, wo die Rückenlehne zu verstellen war. Auch einen Fussteil hatte man angebracht. Allerdings waren die vier Räder sehr klein und so musste der König geschoben werden. Erst 60 Jahre später wurde der erste Rollstuhl gebaut, der mit Handkurbeln über eine Zahnradübersetzung angetrieben werden konnte. Der Konstrukteur war Stephan Farfler, der mit drei Jahren durch einen Unfall gelähmt war. Als gelernter Uhrmacher war er handwerklich sehr geschickt und so staunte man in Altdorf bei Nürnberg, seinem Geburtsort, über das neue Gefährt.

Die Konstruktion des Stefan Farler
Der Rollstuhl von König Philipp

Trotzdem dauerte es über 200 Jahre bis der erste Rollstuhl als Patent angemeldet wurde, das war 1869 in den USA. Es war das Basismodell, für eine Vielfalt von Krankenfahrstühlen. Im Laufe der Zeit wurden sie sowohl dem Grad der Behinderung als auch dem Zweck der Anwendung angepasst.


Der bislang letzte Schrei ist Otto Bocks "SuperFour" Outdoor-Hybrid-Rollstuhl mit Allradantrieb, der jeden Wald- und Wiesenweg, sowie kleiner Hindernisse überwindet. Er ist sogar überdacht und erinnert in seiner Art eher an ein Kleinauto. Dementsprechend ist auch sein Anschaffungspreis.


Zum nächsten Bericht aus RA 189: Hotel Maxant in Südböhmen
Zurück zur Übersicht der Artikel aus Rollstuhl Aktiv
Zurück zur V.Qu.Oe.-Startseite