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Lukas Müller und der ÖSV

Lukas Müller wurde am 14. März 1992 in Villach geboren. Seit seinem dritten Lebensjahr fährt er Ski, mit 12 Jahren springt er das erste Mal von einer Skisprungschanze. Seine Leistungen verbessern sich rasch, 2005 wird er Kärntner Landesmeister und Landescupsieger. 2009 nimmt er an den Juniorenweltmeisterschaften in Strbske Pleso teil, wird Weltmeister auf der Normalschanze und im Team. (Foto: Lukas Müller, 2009, (c) Manfred Werner – Tsui)

Den Erfolg im Team wiederholt er 2010 im deutschen Hinterzarten. 2012 reichte es immerhin für die Bronzemedaille im Team.
Dann der Tag, der das Leben von Lukas Müller verändern sollte: Am 13. Januar 2016 zieht er sich bei einem Sturz auf der Skiflugschanze am Kulm im Vorfeld der Skiflug-Weltmeisterschaft eine schwere Wirbelsäulenverletzung zu. Diagnose: inkomplette Querschnittlähmung. Danach Rehabilitation im RZ Häring. Rückkehr in den Alltag: Wohnen in einem Studentenwohnheim, Ausbildung zum staatlich geprüften Vermögensberater. Lukas Müller hält Motivationsvorträge, erzählt aus seinem Kampf zurück ins Leben.
Im Jänner 2018 kehrt er auf dem Kulm, die Stelle seines Unfalls zurück. Neben seinem Rollstuhl sitzt er auf den kalten Steinstufen – ein Bild mit Symbolcharakter. In einem unbeobachteten Augenblick fließen ein paar Tränen. Dieser Schritt war für Lukas Müller wichtig, um sein Schicksal aufzuarbeiten.
Dann der Kampf mit dem Österreichischen Skiverband: Freizeitunfall oder Arbeitsunfall. Im Frühjahr 2019 dann die Erleichterung für Lukas Müller. Der Verwaltungsgerichtshof stuft seinen schweren Sturz im Jänner 2016 als Arbeitsunfall ein. Das stellt eine finanzielle Absicherung dar. Müller erhielt bereits früher eine finanzielle Abgeltung aus einer Risikoversicherung des Internationalen Skiverbandes.
Zitat: „Ich wehre mich dagegen, dass ich hingestellt werde, dass ich mit meinem Querschnitt reich werde. Ich wünsche meine Verletzung niemandem. Es kann sich niemand vorstellen, was ich spüre und was ich nicht spüre.“
Theoretisch und praktisch ist das Urteil aber wesentlich weitreichender als nur für Hochrisikosportarten. Es geht um die gesetzliche Versicherung für Unfälle, die u. a. auch bei der Anreise zu Sportveranstaltungen oder Trainingslagern passieren können. Gernot Baumgartner sagt in einer Aussendung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes: „Die Sportler werden nicht mehr länger als moderne Gladiatoren behandelt und ihrem Schicksal überlassen, während sich die Sportverbände ihrer Verantwortung entledigen und sich in die Zuschauerrolle zurückziehen“.
Das erinnert an eine bereits Jahrzehnte zurückliegende Forderung unseres Verbandes, dass Freizeitunfälle den Arbeitsunfällen gleichgestellt werden sollen, wodurch Kämpfe, wie Lukas Müller ihn ausfechten musste, nicht mehr notwendig wären. Einige ältere Verbandsmitglieder werden dabei an Heinz Schneider denken, der sein Leben lang für diese Forderung gekämpft hat.

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